Prominente wollen AfD-Vorsitz im Kulturausschuss verhindern

Von Paul Starzmann
28.09.2017 -

Die AfD könnte bald den Vorsitz über den Kulturausschuss im Bundestag übernehmen. Künstler und Kulturschaffende protestieren jetzt dagegen in einem offenen Brief. Das Bundestagsgremium dürfe kein „Forum für Hetze“ werden, fordern sie.

Portal des Reichstages, Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin; Photo: Claudia Hautumm / pixelio.de

Eine Reihe bekannter deutsche Künstler, Kulturschaffender und Politiker hat in einem offenen Brief an den Ältestenrat des Bundestags gegen die AfD protestiert. Sie richten sich gegen mögliche Pläne des Parlaments, der neuen AfD-Bundestagsfraktion künftig den Vorsitz über den Ausschuss für Kultur und Medien zu überlassen. Der Brief wurde neben dem Ältestenrat an alle Bundestagsfraktionen mit Ausnahme der AfD-Fraktion gesandt.

„Nationalistisches Gift“ für die Debatte

Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs vom 26. September gehören die Schauspielerin Iris Berben, der Grafiker Klaus Staeck sowie die Theatermacherin Shermin Langhoff. Auch Politiker von Union, SPD, Linkspartei und Grünen haben unterschrieben, darunter die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering. Den Prominenten sind inzwischen über .000 Unterstützer gefolgt: Sie haben den Aufruf „Für Freiheit und Vielfalt in Kunst und Kultur“  im Internet unterzeichnet.

„Es darf nicht passieren, dass beim Kampf um Einflusssphären die AfD an einer der sensibelsten, wichtigsten Stellen unseres parlamentarischen Systems ihr nationalistisches Gift in die Debatten injiziert: Der deutschen Kulturpolitik,“ heißt es in dem offenen Brief. „Es muss deshalb verhindert werden, dass die AfD den Vorsitz des Kulturausschusses besetzen kann.“

Künstler sorgen sich um das Image Deutschlands

Die Unterzeichner befürchten, die AfD könne den Kulturausschuss des Bundestags „für Hetze gegen ganze Teile der Bevölkerung“ nutzen. Auch sorgen sich die Autoren des offenen Briefs um das Image Deutschlands im Ausland, wenn ein AfD-Politiker der parlamentarische Ansprechpartner für ausländische Kulturschaffende würde.

Der offene Brief bekennt sich zur Freiheit und Vielfalt der deutschen Kultur- und Medienlandschaft. Kulturpolitik müsse als Teil der europäischen Integration begriffen werden, heißt es. Aufgabe der Kultur sei, demokratische Werte zu stärken. Die Freiheit für Kunst und Medien müsse unbedingt erhalten werden.

Der Text erscheint mit freundlicher Genehmigung von vorwärts.de.

Weitere Artikel

Rassismus heute salonfähig?

22.03.2016 -

Von HoGeSa über Pegida bis zur AfD – lange war die rechte Szene in Deutschland nicht so breit aufgestellt wie heute. Umso wichtiger sei es, dem Rassismus überall entgegen zu treten, sagen Aktivisten. Am UN-Aktionstag gegen Menschenfeindlichkeit fordern sie konkrete Veränderungen in Politik und Gesellschaft.

 

Hass auf die „Fremden“

28.09.2016 -

Deutschland hat ein Rassismusproblem, schreibt Lamya Kaddor in ihrem neuen Buch „Zerreißprobe“ – und legt den Finger in die Wunde: Die Demokratie sei in Gefahr. Eine zentrale Rolle spielt dabei die wichtige Frage: „Was ist deutsch?“

Islamfeindschaft als Dauerbrenner

12.07.2016 -

Hysterisch, hoch emotional, fast panisch – so lässt sich die Debatte über den Islam in Deutschland beschreiben. Der Grund: Viele Anhänger der Rechtspopulisten leben in einer „erfundenen Realität“, meint der Journalist Mohamed Amjahid. Größter Profiteur ist die AfD.

SPD-Jugend kämpft gegen Rechts

13.10.2016 -

Auf vielfältige Weise engagieren sich Jusos und Falken gegen rechts. Sie diskutieren, leisten Überzeugungsarbeit und demonstrieren – was angesichts der aufgeheizten Stimmung sogar gefährlich sein kann.