Preis für zivilgesellschaftliches Engagement

Von Gabriele Nandlinger
23.05.2014 -

In Berlin wurden die diesjährigen „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ geehrt.

„Storch Heinar“: Unter den fünf diesjährigen Botschaftern für Demokratie und Toleranz; Photo: Storch Heinar

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) hat am Freitag in Berlin die diesjährigen „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet. Die fünf Preisträger hätten sich in herausragender Weise um Demokratie und Toleranz verdient gemacht, vorbildhaft gezeigt, was gegen Vorurteile, rechtsextreme Aktivitäten oder soziale Ausgrenzung vor Ort bewirkt werden könne. Ein Signal des Dankeschöns an die Zivilgesellschaft nannte es die Moderatorin und Radiojournalistin Shelly Kupferberg.

Der Preis wird seit der Gründung des BfDT im Mai 2000 jeweils am 23. Mai, dem Datum der Verkündung des Grundgesetzes, vergeben. Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, hob hervor, dass erst das Engagement der Bürgerinnen und Bürger der Verfassung ein Gesicht geben würde, eine aktive Zivilgesellschaft unverzichtbar für die Demokratie sei. Demokratie brauche Mut, brauche das Engagement. Mit dem Preis wird zivilgesellschaftliches Engagement öffentlich gewürdigt, und gleichzeitig auch der Millionen Menschen gedacht, die sich in Deutschland für eine demokratische und tolerante Gesellschaft engagieren.

Zeitzeugin berichtet von Theresienstadt

Zu den Botschafterinnen und Botschaftern für Demokratie und Toleranz 2014 zählt die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (IkgA e.V.), die sich der politischen Bildungsarbeit besonders in der Migrationsgesellschaft widmet. Ihre Schwerpunkte liegen in der Antisemitismusprävention sowie Islamismusprävention. Ansprechen will die Initiative besonders muslimisch sozialisierte Jugendliche und junge Erwachsene. Antisemitismus hier würde durch „gute Graswurzelarbeit“ begegnet“, lobte der  SPD-Politiker und Staatssekretär im Justizministerium Christian Lange das Engagement von IkgA.

Ausgezeichnet wurde auch Jana Müller vom Alternativen Jugendzentrum e.V. Dessau,  die weitgehend allein ein umfangreiches Zeitzeugenarchiv aufgebaut hat, das zahlreiche auf Videos aufgezeichnete Interwiews sowie offizielle und private Dokumente und Schriftstücke enthält. In beklemmender Weise einen Eindruck davon erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung in Berlin: Die 1926 geborene in Prag lebende Doris P., die mit Jana Müller angereist war, war 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Die Zeitzeugin berichtete explizit von dem Grauen, wie sie selbst es in jungen Jahren erleben musste.

„Nienhagen Rechtsrockfrei“ plant Gegenaktivitäten

Preisträgerin ist ebenso die Initiative „Nienhagen Rechtsrockfrei“, die sich als Reaktion auf die seit mehreren Jahren in dem 380-Seelen-Dorf in Sachsen-Anhalt stattfindenden Neonazi-Konzerte gebildet hat. „Ein kleines Dorf ist konfrontiert mit einer der gefährlichsten Möglichkeiten, Jugendliche zu rekrutieren“, so die SPD-Politikerin Cornelie Sonntag-Wolgast. Und für den 28. Juni ist erneut ein Rechtsrock-Konzert angekündigt. Das Bündnis plant wieder Gegenaktivitäten und ein Straßenfest vor Ort. Die Preisverleihung passt hier gut ins Konzept. Eine Sprecherin der Initiative sieht die Auszeichnung als einen richtigen Motivationsschub an, um dem Spuk entgegenzuwirken.

„Journalisten wie Andrea Röpke“ sind vorbildlich, betonte die Grünen-Politikerin Monika Lazar anlässlich der Preisvergabe an die Rechtsextremismusexpertin und bekannte Fachjournalistin. Mithilfe der „tollen Recherchearbeit“ der Journalistin und Buchautorin (auch regelmäßige Autorin für bnr.de), sei es endlich zu einem Verbot der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) gekommen, unterstrich die Bundestagsabgeordnete. Fünfter Botschafter für Demokratie und Toleranz in diesem Jahr ist „Storch Heinar“ aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Truppe um den Storch – Motto: „Den Nazis einen Vogel zeigen“ – engagiert sich für die Stärkung einer positiven und selbstbewussten Demokratie und gesellschaftpolitische Bildung. Sie geht an Schulen, tritt bei Demokratie-Festen oder zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen et cetera auf. „Storch Heinar“ öffnet Türen, schafft Aufmerksamkeit, sagt der Mitinitiator und SPD-Landtagsabgeordnete Julian Barlen. Rechtsextremisten könnten mit diesem satirischen Ansatz nicht umgehen. So war der Storch am 1. Mai bei der NPD-Demonstration in Rostock dabei und habe die Rechtsextremisten verhöhnt.