„Populismus ist kein Programm“

Von Hubertus Sanner
09.05.2014 -

Was tun gegen Rechtspopulismus? Darüber wurde am 8. Mai in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin diskutiert.

Teilnehmer der Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung über „Rechtpopulismus in Europa“; Photo: Hubertus Sanner

Die Auseinandersetzung mit Populismus sollte auch stattfinden, wenn gerade kein Europawahlkampf ist, sagt Matthias Machnig, der Leiter der Europa-KAMPA der SPD. Er warnt allerdings davor, den Rechtspopulismus als eine apokalyptische Entwicklung zu sehen. Stattdessen sollte der Drang in die politische Mitte, er bezeichnet es als „Mittewahn“, beendet werden. Etablierte Parteien müssten mit einem Programm, das Differenzen zu denen der anderen Parteien habe, überzeugen, denn „Populismus ist kein Programm, sondern Prinzip und Methode“, so Machnig am Donnerstag auf einer Konferenz in der Friedrich-Ebert-Stiftung.

„Populismus versucht, Probleme aufzublasen“ erklärt Werner A. Perger, ehemaliger Leiter des Ressorts Politik der ZEIT, auf der Veranstaltung „Rechtpopulismus in Europa“. Der Journalist sieht die Isolation, die Imitation und die Integration als mögliche Maßnahmen gegen rechtspopulistische Tendenzen. Nach der Strategie der Isolation würden etablierte Parteien Themen von Populisten nicht aufgreifen. Die Imitation bedeute, dass etablierte Parteien populistische Themen in abgeschwächter Form aufnehmen. Die Integration erfordere, Populisten an politischer Verantwortung zu beteiligen, so Perger.

In Deutschland weniger Populismus als in anderen europäischen Ländern

Dass Populismus anti-aufklärerisch ist und keine tragbaren Lösungen für die Probleme unserer Zeit darstellt, ist für die Diskutanten der Konferenz klar. Tamás Boros, der Direktor des Budapester Thinks Tanks „Policy Solutions“ berichtet über die Verhältnisse in Ungarn. Boros sieht in der niedrigen Wahlbeteiligung, der Änderung des Wahlsystems und der Zersplitterung der linken und rechten Opposition Gründe für den Wahlerfolg von Viktor Orbán. Seine rechtspopulistische Fidesz-Partei erreichte bei den Parlamentswahlen im April eine Zweidrittelmehrheit. Außerdem habe Orbán loyale Leute in Schlüsselpositionen im Land installiert. Zuletzt erklärte Viktor Orbán, dass die „massenhafte Einwanderung“ nach Europa nicht helfe, die demografischen Probleme zu lösen.

Dann geht der italienische Journalist Roberto Brunelli auf die Bundesrepublik ein. In Deutschland gebe es weniger Populismus als in anderen europäischen Ländern, so Brunelli. Als einen von mehreren Gründen dafür sieht der Journalist die Bundeskanzlerin. „Merkel absorbiert den Populismus in Deutschland“ sagt er. Sie sauge die Ängste der Bevölkerung auf, meint Brunelli und er fügt hinzu, dass die Bundeskanzlerin deshalb auch auf den Europawahl-Plakaten gezeigt werde, obwohl sie gar nicht kandidiere.

Aus Umfragen zur Europawahl geht hervor, dass rechtspopulistische Parteien in Europa im Aufwind sind. Laut einer Umfrage vom Januar 2014 könnte in Frankreich der extrem rechte Front National (FN) bei der anstehenden Europawahl mit 23 Prozent der Stimmen stärkste Kraft werden. Der FN ist für einen Austritt Frankreichs aus dem Euro und der Nato. Außerdem fordert er die bevorzugte Vergabe von Sozialleistungen an Franzosen. Weitere Beispiele: Die rechtspopulistische FPÖ in Österreich erreicht laut einer Umfrage im Januar dieses Jahres 22 Prozent. Sie setzt sich für einen Zuwanderungsstopp ein und warnt vor einer Islamisierung Österreichs. Für die deutsche Partei AfD sagt eine Umfrage im Januar sieben Prozent voraus. Die populistische Alternative für Deutschland (AfD) ist für Einwanderungsbeschränkungen.

Der Text erscheint mit freundlicher Genehmigung von vorwärts.de