Mit Bildungsarbeit gegen Rechts

Von Tamara Rösch
10.09.2019 -

Rechtsextreme Gruppen agieren in vielen Teilen Deutschlands. Gerade die hessische Wetterau gilt als Hochburg der NPD. Die „Antifaschistische Bildungsinitiative“ in Friedberg macht durch ihre Recherchen auf rechtsextreme Strukturen aufmerksam.

Der Verein will neben direkt politischen Angeboten auch alternative Kulturangebote für junge Menschen schaffen; © Antifa B

Mit etwa 230 Mitgliedern im Alter zwischen 14 und 75 Jahren ist die „Antifaschistische Bildungsinitiative“ mit Sitz im südhessischen Friedberg „generationsübergreifend aufgestellt“, wie der Vorsitzende Andreas Balser sagt. Der Verein agiert seit 2007 vor allem in Hessen und hat dort bereits einige Befürworter gefunden. Unter anderem die hessische SPD und sogar einige Mitglieder der CDU und der Freien Wähler zählen mittlerweile zum großen Unterstützerkreis des Vereins. Bei Demonstrationen der Antifaschistischen Bildungsinitiative bieten sich Politiker für Redebeiträge an, von denen einige selbst Mitglieder im Verein sind.

Die Wetterau als NPD-Hochburg

„Im Wetteraukreis gibt es eine sehr breit aufgestellte rechte Szene. Neben den rechtsextremen Kameradschaften ist der Landkreis eine Hochburg der NPD“, sagt Andreas Balser. In Büdingen und Altenstadt ist die NPD jeweils mit vier Abgeordneten in den kommunalen Parlamenten vertreten, dazu mit zwei Abgeordneten im Kreistag. Kürzlich machte Altenstadt bundesweit Schlagzeilen, weil im Ortsteil Waldsiedlung der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Stefan Jagsch einstimmig zum Ortsvorsteher gewählt worden war. Doch nicht nur die NPD stellt mit Blick auf die rechtsextreme Szene in der Wetterau ein Problem dar: „Der Verein für Staatspolitik, der Trägerverein des Instituts für Staatspolitik um Götz Kubitschek, wurde in Bad Vilbel gegründet. Die Titurel-Stiftung, die auch diesem Spektrum entspringt, hat ihren Sitz in Bad Nauheim“, erklärt Balser.

Um auf die rechte Szene aufmerksam zu machen, organisiert Andreas Balser mit den anderen Vereinsmitgliedern Demonstrationen, Schulworkshops und auch Vorträge. „Hiermit konnten wir etwa 25.000 Menschen direkt erreichen. Wir bauen dazu unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit stärker aus und können allein in den sozialen Medien wöchentlich etwa 30.000 Menschen erreichen“, sagt Balser.

Alternative Kulturangebote für junge Menschen

Dem Verein ist es darüber hinaus ein Anliegen, alternative Festivals zu organisieren. Es sei wichtig, neben direkt politischen Angeboten auch alternative Kulturangebote für junge Menschen zu schaffen, so Balser. Dieses Jahr veranstaltet der Verein eine mehrteilige Vortragsreihe. Für Ende des Jahres planen Balser und seine Mitstreiter ein Rock gegen Hass-Konzert in der Wetterau.

Bei der Aufklärungs- und Bildungsarbeit setzt der erste Vorsitzende auf nachhaltiges Interesse am demokratischen Zusammenleben: „Deshalb ist es neben dem klassischen Vermitteln von Wissen wichtig, möglichst viele Menschen dazu zu animieren, selbst demokratisch handelende Akteure zu werden. Aufgeklärte und kritische Menschen, die selbständig ihre Kultur,- oder Politikprojekte umsetzen, sind die nachhaltigste Investition gegen Rechts.“

Der Text ist auf vorwärts.de erschienen.