Hilfe für Opfer von Hass und Hetze

Von Jonas Jordan
18.12.2019 -

Beleidigen, diskriminieren, drohen: Viele Menschen sind im Internet verbaler Gewalt ausgesetzt. „HateAid“ will den Opfern auf zwei Arten helfen. Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg stellt in der Analyse der Fälle fest: Der überwiegende Teil der Hasskommentare kommt von rechts.

„HateAid“ will Opfern von Hate Speech helfen; (Screenshot)

Drei Viertel der Hasskommentare im Internet kommen aus dem rechtsextremen Bereich“, sagt Anna-Lena von Hodenberg. Sie ist Geschäftsführerin von „HateAid“, einer Initiative, die vor zwei Jahren in Berlin gegründet wurde, um Menschen zu unterstützen, die Opfer von Hass und Hetze im Netz geworden sind. 54 Prozent der Internetznutzerinnen und -nutzer trauen sich Studien zufolge häufig nicht mehr, ihre Meinung im Internet zu vertreten, weil sie Angst vor Hass und Hetze haben. „Das ist eine große Gefahr. Nicht nur für die Meinungsfreiheit, sondern auch für unsere Demokratie“, sagt von Hodenberg.

„HateAid“ versucht, dem auf zwei Arten entgegenzuwirken. Zum einen können sich Menschen, die Opfer digitaler Gewalt wurden, per E-Mail, telefonisch oder über die sozialen Medien an die Initiative wenden. Dort bekommen sie von ausgebildeten Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen professionelle Beratung.

Schnelles Handeln notwendig

Alle Fälle würden „einmal kurz gescreent“, um zu prüfen, wie notwendig schnelles Handeln sei. Es gebe durchaus Situationen, in denen Gefahr im Verzug sei, wenn beispielsweise Menschen auf Todeslisten stünden. „Solche Fälle priorisieren wir“, erläutert von Hodenberg.

Neben der unmittelbaren Beratung von Betroffenen bietet die Initiative auch Unterstützung für zivilrechtliche Verfahren an. In aussichtsreichen Fällen übernimmt „HateAid“ die Prozesskosten. 4000 Euro koste in der Regel ein Prozess. „Das ist mit ein Grund, warum im Netz so wenig Rechtsdurchsetzung geschieht“, sagt von Hodenberg. So unterstützte „HateAid“ in der Vergangenheit beispielsweise bereits Luisa Neubauer von Fridays for Future. In der Theorie versucht die Initiative, mit Schmerzensgeldern und Schadensersatzzahlungen die Hilfe in weiteren Fällen zu finanzieren. In der Praxis dauern die Prozesse dafür zu lange. Daher finanziert sich „HateAid“ zurzeit vor allem aus Spenden und öffentlichen Zuwendungen.

Weitere Informationen zu „HateAid“ auf der offiziellen Homepage, auch für Menschen die Opfer von Hate Speech und anderen Formen von Hasskriminalität oder digitaler Gewalt wurden.

Der Text ist auf vorwärts.de erschienen.