Fußballklub: Klare Kante gegen Rechts

Von Paul Starzmann
04.04.2018 -

Mit der Aktion „Gegen Rechts“ hat der VfL Osnabrück an Ostern gegen AfD, Pegida und Co. protestiert. Dafür wird der Verein jetzt im Internet angefeindet. Unterstützung bekommt der Klub hingegen aus der SPD – von einem prominenten Fußballfan der Partei.

VfL setzt politisches Signal gegen Rechts; Photo (Symbol): Torsten Bogdenand / pixelio.de

Es hätte eine ganze normale Samstagspartie in der dritten Liga werden können – das Heimspiel des VfL Osnabrück gegen Hansa Rostock am vergangenen Wochenende. Dabei nutzen die Gastgeber die Gelegenheit, um in ihrem Stadion ein Zeichen zu setzen, ein politisches Signal gegen AfD, Pegida und Co: „Gegen Rechts“ stand auf den weißen Sonder-Trikots der VfL-Spieler, als sie auf dem Rasen aufliefen. Vor dem Anpfiff verlasen Klub- und Fanvertreter dann noch eine Erklärung gegen Rassismus, Hass und Gewalt. Und so sorgte das Spiel des Drittligisten für mehr Aufmerksamkeit, als sich die Verantwortlichen des Vereins das im Vorfeld wohl gedacht hätten.

„Chancen nur in respektvollem Miteinander“

Denn bei vielen Rechten in Deutschland, den AfD- und Pegida-Anhängern, lösten die Sonder-Trikots des VfL Osnabrück Empörung aus. Den Anfang machte Beatrix von Storch, die stellvertretende Vorsitzende der AfD im Bundestag. Auf Twitter bezeichnete sie die VfL-Vertreter als „Honks“ – ein Schimpfwort aus der Jugendsprache, das so viel wie „Idioten“ oder „Trottel“ bedeutet. „Wer o was genau ist „rechts?“, fragte die Bundestagsabgeordnete in fehlerhaftem Deutsch. „Und:wann steht Ihr auf gegen „Links“?“ Dazu postete sie den Artikel einer rechtspopulistischen Hetzseite, die über das VfL-Spiel berichtet hatte.

Die Antwort des VfL Osnabrück folgte prompt. „Wir werten Ihre Beleidigung und den Inhalt Ihres Tweets als Kompliment und fühlen uns in unserer Haltung bestätigt“, schrieb der Verein an von Storch adressiert. „Wofür ‚Gegen Rechts‘ insgesamt steht, finden Sie auf unserer Website.“ Dort ist die Erklärung veröffentlicht, die am Wochenende vor dem Spiel gegen Hansa Rostock verlesen wurde. „Jeder Mensch ist bei uns willkommen – völlig unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen, Hautfarbe und Religion.“, heißt es dort. „Nur in einem respektvollen Miteinander haben wir Chancen – im Gegeneinander gehen wir zugrunde.“

Niedersachsens Innenminister dankt dem VfL für die Aktion

Bei Facebook wird dem VfL nun von einzelnen Usern vorgeworfen, die Aktion „Gegen Rechts“ sei „antidemokratisch“. Der Sport werde für Politik „missbraucht“, empört sich ein Nutzer. Auch von „Linksfaschismus“ ist die Rede. Ein Facebook-Kommentator behauptet sogar, die AfD werde „in Deutschland verfolgt wie die Juden im 3. Reich“. Es sind die üblichen hysterischen Sprüche, wie sie aus der rechten Ecke kommen, wenn sich jemand öffentlich gegen Rassismus, Hass und Gewalt ausspricht.

Unterstützung für die Aktion des VfL Osnabrück kommt indes von einem prominenten Fan des Vereins: dem niedersächsischen SPD-Innenminister Boris Pistorius, einem regelmäßigen Gast auf der Tribüne der „Bremer Brücke“, wie das Osnabrücker Stadion genannt wird. Auf Facebook weist der Minister die Bundestagsabgeordnete von Storch in die Schranken. Pistorius nennt die AfD-Politikerin „eine unbelehrbare Ewiggestrige“ und dankt dem VfL Osnabrück für die Aktion „Gegen Rechts“. „Wer sich friedlich gegen ‚Rechts‘ engagiert, verhält sich richtig und mach grundsätzlich nichts falsch“, heißt es in einer Stellungnahme des SPD-Politikers. „In der Friedensstadt Osnabrück hat das eine lange Tradition und das Engagement der vielen Menschen hier, die sich seit jeher gegen engstirnige, ewiggestrige Gedanken einsetzen, trägt mit dazu bei, dass die AfD hier kaum wahrnehmbar ist.“

SPD steht hinter dem Fußballverein

Damit liegt der Innenminister auf einer Linie mit der SPD in Osnabrück. Laut dem stellvertretenden Bürgermeister der niedersächsischen Stadt, dem Sozialdemokraten Uwe Grötemöller, steht die örtliche SPD voll hinter dem Engagement des Fußballvereins. „Sport ist, wo Integration gelebt wird“, sagt Grötemöller, der auch sportpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion ist. Über 150 Vereine gebe es im Ort, viele engagierten sich in der Flüchtlingshilfe, organisierten Veranstaltungen zusammen mit Asylbewerbern – und seien deshalb selbstverständlich „Gegen Rechts“, sagt er. Zumal sich Osnabrück offiziell als „Friedensstadt“ bezeichne, wie Grötemöller betont. „Wir feiern gerade auch die Woche gegen Rassismus“, fügt er hinzu. „Das ist in Osnabrück ein echtes Thema, das schreiben wir uns auch auf die Fahnen.“

„Das sind wir ganz schön stolz drauf“, sagt Grötemöller, wenn er über seine Heimatstadt spricht. Die meisten Bürger in Osnabrück teilten die Einstellung des VfL, ist er sicher. „Die AfD hat keinen einzigen Vertreter im Rat unserer Stadt“, sagt er. „Und Pegida hat hier überhaupt keine Chance.“

1:0 für den VfL Osnabrück

Deshalb ist Grötemöller auch überzeugt, dass rechte Anfeindungen gegen den VfL Osnabrück, wie sie jetzt von der AfD-Politikerin von Storch kommen, nach hinten losgehen werden. Mit Verbalattacken auf eine Sportmannschaft werden die Rechtspopulisten keinen Erfolg haben, ist der Sozialdemokrat sicher.

Die Zahlen auf Twitter scheinen ihm Recht zu geben. Dort hat der Fußballverein in der Auseinandersetzung mit der Beatrix von Storch tatsächlich die Nase vorn: Während von Storchs Beitrag nur rund 500 Mal geteilt wurde, haben mehr als dreimal so viele Menschen die Antwort des VfL retweetet. 1:0 für den VfL Osnabrück.

Der Text ist auf vorwärts.de erschienen

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