Engagierte Kämpfer für Demokratie

Von Kai Doering
19.06.2015 -

Am Freitag wird der Gustav-Heinemann-Bürgerpreis verliehen. Er geht in diesem Jahr an das bundesweite Netzwerk für Demokratie und Courage. Gegründet vor 15 Jahren, ist dessen Arbeit hochaktuell.

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Auszeichnungen haben sie schon einige bekommen, etwa den Willi-Bleicher-Preis der IG Metall Baden-Württemberg oder den Heinz-Westphal-Preis des Bundesjugendrings. Doch der Gustav-Heinemann-Bürgerpreis ist für die Engagierten vom „Netzwerk für Demokratie und Courage“ (NDC) etwas Besonderes. „Diese Auszeichnung bedeutet uns sehr viel“, sagt Benjamin Winkler. Schließlich habe das Netzwerk viele Jahre um Anerkennung kämpfen müssen. „In einigen Bundesländern ist es schwer, das NDC auf sichere Füße zu stellen. Hier braucht es viel Überzeugungsarbeit.“

Damit ist es glücklicherweise vorbei. 41,7 Prozent (oder 1576 Besucher) votierten in der Online-Abstimmung auf der Internetseite der SPD für das NDC als Heinemann-Preisträger. Den Verein „Anwältinnen ohne Grenzen“ und die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor ließ das Netzwerk klar hinter sich. Die drei waren aus einer Vielzahl von Vorschlägen vom Kuratorium für den Heinemann-Preis um Henning Scherf und Christina Rau ausgewählt worden.

600 ehrenamtlich Engagierte

„Wir passen gut zur Philosophie des Preises“, ist Benjamin Winkler überzeugt. Mit dem Gustav-Heinemann-Bürgerpreis ehrt die SPD „gesellschaftliches Engagement, Zivilcourage und den Einsatz für Frieden und Demokratie“ – drei Dinge, die beim NDC großgeschrieben werden. Organisiert in elf Landesverbänden und einem Bundesbüro ist das NDC als bundesweites Netzwerk aktiv. Getragen wird es von jungen Menschen zwischen 18 und 30, die sich ehrenamtlich für Demokratieförderung und gegen menschenverachtendes Denken einsetzen.

„Wir bilden unsere Teamerinnen und Teamer in speziellen Projekttrainings aus und schicken sie in Schulen und andere Bildungseinrichtungen, wo sie mit den Schülern arbeiten“, erklärt Benjamin Winkler. Rund 600 jungen Menschen engagierten sich im vergangenen Jahr auf diese Weise. In diesem Jahr konnte das NDC bereits gut 580 Projekttage gestalten.

„Wir werden vor allem dann aktiv, wenn es an einer Schule Vorfälle mit Diskriminierungen gegeben hat oder interessierte Lehrer auf uns zukommen und uns einladen“, sagt Winkler. „Wir bieten auch viel Raum für Aktuelles.“ Etwa wenn in der Nachbarschaft ein Flüchtlingsheim eröffnet werden soll und dies zu Spannungen führt.

Etwas Dauerhaftes gegen Rechts

Das Angebot ist für die Schulen kostenlos und wird allein aus öffentlichen Mitteln und Spenden finanziert. Die 10 000 Euro, die das NDC als Träger des Heinemann-Preises erhält, sind deshalb höchst willkommen. „Das Geld gibt uns eine gewisse Sicherheit und eröffnet Freiräume“, freut sich Benjamin Winkler.

Gegründet wurde das Netzwerk für Demokratie und Courage 1999. Auslöser waren das gute Abschneiden der rechtsgerichteten DVU bei der Landtagswahl in Sachsen Anhalt – die Partei erhielt aus dem Stand 12,9 Prozent – und gewalttätige Übergriffe von Rechtsextremisten in der gesamten Bundesrepublik. „Nach einem Konzert gegen eine NPD-Demo in Leipzig setzten sich die Initiatoren zusammen und überlegten, wie etwas Dauerhaftes etabliert werden könnte“, erinnert sich Benjamin Winkler. Kurz darauf war das NDC geboren.

Mittlerweile kann das Netzwerk auf eine stolze Geschichte zurückblicken und ist in zwei Dritteln der Bundesländer fest verankert. Der Gustav-Heinemann-Bürgerpreis ist auch eine Anerkennung dieser Aufbauleistung. Das NDC nimmt ihn am Freitag mit zehn Vertretern im Willy-Brandt-Haus entgegen.

Der Text erscheint mit freundlicher Genehmigung von vorwärts.de