Der vernebelte Blick

Von Klaus-Henning Rosen
21.03.2019 -

Eine Erwiderung auf den Beitrag von Hubertus Knabe in „The European – Das Debattenmagazin“.

Der frühere Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen arbeitet sich erneut an der DDR ab: Photo (Symbol): Thorben Wengert / pixelio

Hubertus Knabe (K.), gestrauchelter Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, will sich unter der Überschrift „Der Blick nach rechts“ ein weiteres Mal an der vor 29 Jahren in die Bundesrepublik Deutschland implodierten DDR abarbeiten. Schon 2001 hatte die „Süddeutsche Zeitung“ nach der Vorlage von Knabes Opus magnum „Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien“ befunden, „Neuigkeiten über Schreiber und Schnüffler aus dem Westen bieten sie (sc. die von K. berichteten Episoden) auf den ersten Blick nicht.“ Und kritisch wird bemerkt, „in manchen Fällen scheint Hubertus Knabe sogar bewusst Details weggelassen zu haben, die ihm nicht ins Bild passen“. Seriös wirkt das also nicht.  Raum für sein erneutes Abarbeiten an der Stasi hat Knabe diesmal von „The European – Das Debatten Magazin“ bekommen. Sein Beitrag dient demnach seinem eigenen Schutz, nämlich der Abwehr der „Methode der Verteidiger und Schönredner des Kommunismus, dessen Kritiker in eine rechte Ecke zu stellen“. Pardon, aber so wirklich ist mir, dem Verfasser dieser Zeilen, diese Methode bei der Wahrnehmung der öffentlichen Meinung noch nicht aufgefallen.

Vorweg ist allerdings eine Falschmeldung von Knabe zu korrigieren, wenn der behauptet, der im Auftrag der DDR in der Bundesrepublik Deutschland agierende bayerische Journalist Kurt Hirsch habe den Pressedienst „blick nach rechts“, also die Druckform des heute elektronischen Dienstes, „im Auftrag der SPD“ herausgegeben. Das ist nachweislich falsch, Herausgeber war nämlich der SPD-Pressedienst. Falsch ist ebenso die Behauptung, „nach dem Ende der SED-Diktatur legten ehemalige Stasi-Mitarbeiter offen, dass … Hirsch … für die Abteilung Desinformation und Aktive Maßnahmen tätig war“. Richtig ist hier vielmehr, dass ich bereits im Februar 1987 – da existierte bekanntlich die DDR noch – auf Grund eines Gesprächs mit einer seinerzeitigen Mitarbeiterin Hirschs die Sicherheitsbehörden über dessen Auftraggeber informiert habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verfassungsschutz sich über mehr als zwanzig Jahre vergeblich an Hirsch abgearbeitet, um ihm (man fragt nach der immensen Verschwendung von Haushaltsmitteln) eine nachrichtendienstliche Tätigkeit für die DDR nachzuweisen. Nach meinem Hinweis wurden dann Wohnung und Büro von Hirsch durchsucht, zwei Ermittlungsverfahren versandeten. Die Begründung „aus Krankheitsgründen“ vermag man den Diensten und der Bundesanwaltschaft allerdings nicht abzunehmen.

Mag es daran liegen, dass Hirsch fast zehn Jahre lang als der zweite DDR-Späher nach Günter Guillaume im Büro des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt aus- und einging und die in gleicher Regelmäßigkeit dort auftauchenden Beamten aus dem Kölner Amt dem damaligen Büroleiter – dem Autor dieser Zeilen – auf dessen wiederholte Nachfrage für den Grund ihres Erscheinens keinerlei Hinweise auf den Verdacht der Sicherheitsbehörden gaben. Nur am Rande: In den säuberlich geschwärzten Akten des Kölner Amtes gibt es keinerlei Selbstzweifel des Amtes, ob es nicht unanständig wäre, Willy Brandt ein zweites Mal zum Agent provocateur für den Versuch, zu machen, Hirsch zur Strecke zu bringen. Im Übrigen liefert K. nichts Neues an den Westen.

In einem weiteren Punkt bedarf der Text von Knabe noch der Korrektur: Das ist der Umgang mit der Schmiererei an der Kölner Synagoge in der Nacht zum Heiligen Abend 1959.  In Knabes Text werden diese in der Zwischenüberschrift „Hakenkreuzschmiereien in Ulbrichts Auftrag“ genannt – und damit wird einer vor allem von Franz-Josef Strauß sehr bald in die Welt gesetzten Spekulation Vorschub geleistet, solche Schandbarkeiten und die anschließenden Schändungen jüdischer Gräber und Schmierereien habe es doch in der demokratischen Bundesrepublik nicht geben können.

Richtig ist einerseits: Alle schon bald nach der Gründung der Bonner Republik durchgeführten soziologischen und politischen Untersuchungen haben antisemitische Stimmungen in der Bevölkerung diagnostiziert, deren Schwere die sich praeter propter bis heute in die Zeiten von NPD, Pegida etc. nicht nachdrücklich verändert haben. Zweitens: Die Staatsanwaltschaft Köln und das mit dem Verfahren betraute Landgericht Köln hatten im Prozess den Nachweis zu führen, dass die beiden Täter von der DDR gesteuert wurden. Das ist – und da ist Knabe die Lektüre der im Staatsarchiv NRW auf Schloss Kalkum verwahrten Akten nahezulegen – nicht gelungen. Richtig ist allerdings, das ist aus den Stasi-Akten zu belegen und da stimme ich mit Knabe überein, dass anschließend unter Einschluss von Hetzbriefen gegen Juden die Desinformationskampagne der DDR einsetzte