Buchbranche protestiert gegen neurechten Verlag

Von Kai Doering
12.10.2017 -

Vertreter der Buchbranche haben am Mittwoch gegen den Auftritt des Antaios-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse demonstriert – unter ihnen auch der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis. Zuvor hatte dieser die Präsenz des Verlags auf der Messe verteidigt.

Ungewöhnliche Demonstranten vor dem Antaios-Stand auf der Frankfurter Buchmesse; © Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Die diesjährige Frankfurter Buchmesse ist politisch wie lange nicht. Das wurde am Mittwochnachmittag in Halle 3.1 auf dem Messegelände besonders deutlich. Hier findet sich der Stand des neurechten Verlags Antaios. Nach einer zehnjährigen Pause ist er in diesem Jahr wieder auf der Buchmesse vertreten. Im Angebot hat der Verlag Titel wie das Buch „Finis Germaniae“, in dem Auschwitz als „Mythos“ dargestellt wird, und Werke des wegen Volksverhetzung verurteilten Autors Akif Pirincci.

Vor dem Antaios-Stand zogen am Mittwoch rund zwei Dutzend Demonstranten auf, unter ihnen auch Alexander Skipis. Als Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist Skipis so etwas wie der Gastgeber der Buchmesse. „Gegen Rassismus“, „Freiheit und Vielfalt“ und „Respekt für die Würde aller Menschen“ steht auf den Schildern, die Skipis und seine Mitstreiter hochhalten.

Bereits im Vorfeld der Buchmesse hatte es Streit über die Anwesenheit rechter Verlage – neben „Antaios“ ist auch die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ mit einem Stand vertreten – gegeben. Alexander Skipis und der Börsenverein hatte deren Zulassung mit einem Verweis auf die Meinungsfreiheit begründet und für eine „neue Debattenkultur“ in Deutschland appelliert. Als Reaktion hatte der Börsenverein zudem die „Amadeu-Antonio-Stiftung“, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzt, gegenüber dem Antaios-Verlag positioniert.

Aufgabe der Buchverlage in unruhigen Zeiten

„Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten,“ hatte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, bereits am Dienstag bei der Eröffnungspressekonferenz der Messe gefordert.

Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hatte hier darauf hingewiesen, dass Verlage und Buchhandlungen in unruhigen Zeiten den Dialog fördern und verlässliche Information und Meinungsbildung lieferten. An die sich neu formierende Bundesregierung appellierte er: „Verbessern Sie die Rahmenbedingungen für eine unabhängige, lebendige und vielfältige Verlagslandschaft.“ Politischer geht es kaum.

Der Text erscheint mit freundlicher Genehmigung von vorwärts.de

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