Als „Ausländer“ in der Nationalmannschaft

Von Carl-Friedrich Höck
06.06.2012 -

„Leute wie ich müssen Vorbild sein“, betont der deutsche Profifußballer Gerald Asamoah. Im Interview mit dem „vorwärts“ spricht er über Rassismus im Stadion und die Vorbildrolle der Profifußballer.

Profifußballer Gerald Asamoah: „Wir alle sind Menschen und tun etwas für das Land.“; Photo: Christiano Bruch/LAIF

Sie sind mit 12 Jahren aus Ghana nach Deutschland gekommen und in Hannover aufgewachsen. Sind Sie vor Ihrer Fußballkarriere schon mit Rassismus in Berührung gekommen?

Ja, aber in den 90er Jahren war das alles noch nicht so extrem. Natürlich sind da auf der Straße schon einmal Bemerkungen gefallen oder man wurde in der Schule als „Neger“ beschimpft.

Ihre Profilaufbahn haben Sie bei Hannover 96 begonnen. Ende der 1990er Jahre wurden Sie und Ihr Teamkollege Otto Addo rassistisch angefeindet. Was genau ist damals passiert?

Das war bei einem Spiel in Cottbus, bei dem es um den Aufstieg in die erste Liga ging. West-Mannschaft gegen Ost-Mannschaft. Otto und ich waren damals die herausragenden Spieler bei Hannover und es war klar, dass wir da im Mittelpunkt stehen würden. Wir wurden beim Spiel dann mit Bananen beworfen.

Was ist in dieser Zeit in Ihnen vorgegangen?

Ich war damals 18 Jahre alt und habe das überhaupt nicht verstanden, denn auch bei Cottbus saß damals ein farbiger Spieler auf der Bank. Was da passiert war, hat sehr weh getan, so etwas wollte ich nie wieder erleben, und es war mir klar, dass ich über diese Ereignisse immer wieder reden musste, damit sich das nicht mehr wiederholt.

Wodurch kommt es, dass Fremdenhass gerade im Stadion oft so offen ausgelebt wird?

Sehr viele Leute arbeiten die ganze Woche über hart und für sie ist der Stadionbesuch am Wochenende dann der Höhepunkt. Wenn dann der eigene Verein schlecht spielt, machen sie ihrem Ärger Luft. Das kann aber auch nur der Ärger über die eigenen Probleme sein. Viele bereuen danach, was sie gemacht haben. Letztendlich ist es für manche wohl immer einfacher, einen farbigen Spieler auszupfeifen, als einen weißen.

2001 debütierten Sie als erster aus Afrika stammender Spieler in der deutschen Nationalmannschaft. Wie wurden Sie damals von den Fans des DFB-Teams aufgenommen?

Ich wurde sehr gut von den Fans aufgenommen. Die Tatsache, dass ich bei meinem ersten Spiel in Bremen dann gleich ein Tor geschossen habe, hat das wahrscheinlich auch noch erleichtert. Ich habe bei diesem Spiel die Anerkennung der Fans gespürt. Damals wie heute gab es sicherlich Leute, die meinen Einsatz für die Nationalmannschaft nicht gut geheißen haben, aber die Mehrheit hat mich an diesem Tag positiv überrascht.

Mittlerweile scheinen rassistische Schmähungen wie zum Beispiel Affenrufe auf den Tribünen seltener geworden zu sein. Hat sich die Situation im Fußball gebessert?

Ja, denn die Leute kapieren, dass man als „Ausländer“ trotzdem beispielsweise für die deutsche Nationalmannschaft spielen  kann. Wir alle sind Menschen und tun etwas für das Land. Die Bereitschaft, Ausländer zu integrieren, ist in Deutschland größer geworden, aber alle erreicht man immer noch nicht.

Gibt es Rezepte gegen Diskriminierung im Sport?

Es ist wichtig, zu alarmieren und viel darüber zu sprechen. Leute wie ich müssen Vorbild sein. Wenn ich als Fußballer sage, dass etwas nicht gut ist, hören die Leute vielleicht mehr zu, als wenn irgendjemand das sagen würde. Wir können als Sportler auf dem Platz zeigen, dass wir mit Leuten unterschiedlichster Herkunft zusammen arbeiten können, also kann das jeder andere auch.

Was müssen Vereine und Verbände gegen Diskriminierung tun?

Es gibt mittlerweile sehr viele Fanklubs, die sich offen gegen Diskriminierung und Rassismus aussprechen. Wichtig ist, dass die Fans genau das auch auf den Tribünen „vorleben“. Und dann sollte man im Notfall auch von Vereinsseite aussortieren.