Weiter Weg

Von Ralf Bachmann
08.02.2001 - Die Kerzendemonstration am verregneten Abend des Holocaust-Gedenktages dürfte die letzte auf dem Bauplatz des Mahnmals am Brandenburger Tor gewesen sein. Bald werden Bagger und Kräne die Szene beherrschen. Für Herbst ist Grundsteinlegung angesagt. Die Reden Lea Roshs und Wolfgang Thierses alarmierten: Gebt den Unbelehrbaren keine Chance, wehret den Zuständen, denn über die Anfänge sind wir längst hinaus. Bei den 3 000 Teilnehmern spürte man Nachdenklichkeit. Was ist jetzt zu tun? Was heißt "Null Toleranz gegenüber Intoleranz"? Ist die Antwort nicht auch: Keine Freiheit für die Zerstörer der Freiheit? Und da wendet sich Architekt Peter Eisenman ausgerechnet gegen ein Verbot von Nazi-Aufmärschen am künftigen Mahnmal für die ermordeten Juden! Sollen die Fanatiker mit den Bomberstiefeln zwischen den Stelen - Symbolen der Erinnerung an die Millionen grabsteinlos Gebliebenen - umhertrampeln und den Opfern zum Hohn "Sieg Heil" brüllen? Lieber kein Mahnmal als das, meinten viele.

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Eine Zukunft

28.06.2001 - Meldungen über neu erwachendes jüdisches Leben in Deutschland sind fast alltäglich geworden. Die Gemeinde in Bremen hat jetzt über 1 000 Mitglieder. In Leipzig muss die Synagoge erweitert werden, weil sie für 600 Juden zu klein geworden ist. Zur Wendezeit gab es da 30. In Berlin schätzt man die Zahl der Juden auf 15 000, von denen 13 000 der Gemeinde angehören. Zu den Sabbat-Gottesdiensten haben die fünf Synagogen 1 000 Besucher. Die nichtreligiösen Veranstaltungen sind bemerkenswert vielgestaltig: jüdisches Theater und jüdische Liederabende, Ausstellungen und Vorträge im Centrum Judaicum, Lehrgänge in Klezmer-Musik und in jiddischer Sprache. Man kann Judaica kaufen und koschere Restaurants besuchen. Schon gibt es Führungen, einen Stadtplan und eine Broschüre als Wegweiser durch das jüdische Berlin.