Webseite Anne Frank-Zentrum BerlinEine Million Besucher kommen Jahr für Jahr ins Anne-Frank-Haus in Amsterdam, um sich das Hinterhaus anzusehen, in dem sich zwei jüdische Familien von 1942 bis 1944 vor den Nazis verbargen. Doch das Interesse, aus eigener Anschauung zu sehen, wo Anne Frank ihr weltberühmtes Tagebuch verfasste, ist weitaus größer. Deshalb hat das Anne-Frank-Haus anlässlich seines fünfzigsten Jubiläums 2010 eine neue Webseite erarbeiten lassen, die einen virtuellen Rundgang in 3D durch das Hinterhaus ermöglicht. Seit Ende Februar gibt es dieses Angebot nun auch in deutscher Sprache.
Ein Mausklick reicht – und schon klappt ein Bücherregal zur Seite, das den Zugang zum Hinterhausversteck in der Amsterdamer Prinsengracht verdeckte. Die aufwändig gestaltete Webseite gibt Besuchern dann die Gelegenheit, die einzelnen Räume aufzusuchen, die damaligen Bewohner kennen zu lernen und eine Menge über die Hintergründe der Judenverfolgung durch die Nazis zu erfahren. Die Texte, die dabei jeweils angeklickt und über Lautsprecher angehört werden können, wurden für den deutschen Online-Auftritt von der Schauspielerin Katja Riemann und ihrer Tochter Paula gesprochen.
„Da wir immer mehr und vor allem auch immer jüngere Besucher haben, ist dieses neue Angebot besonders sinnvoll, da hier Fragen auf besonders anschauliche Weise beantwortet werden“, erklärte Thomas Heppener, Direktor des Berliner Anne-Frank-Zentrums bei der Vorstellung des deutschsprachigen Webauftritts. Ita Amahorseija vom Anne-Frank-Haus Amsterdam verwies auf die große Chance, mit dem Online-Angebot nun endlich einen viel größeren Interessentenkreis zu erreichen als allein mit dem realen Museum.
Einen wesentlichen Unterschied zwischen dem echten Hinterhaus und seiner virtuellen Nachbildung gibt es überdies: In der Online-Präsentation sind alle Räume möbliert, dabei wurden alte Fotos herangezogen. Das Haus in der Prinsengracht ist hingegen auf Wunsch Otto Franks, Annes Vater, dauerhaft leer geblieben. So ermöglicht die Webseite tatsächlich, sich ein wenig einzufühlen in die Situation der im Versteck lebenden Menschen.
Auch Anne Franks Tagebuch kommt ins Bild und wird auszugsweise wiedergegeben. Auf einer weiteren Internetseite findet sich eine Zeitleiste von 1914 bis heute, die sowohl wichtige historische Ereignisse wie auch die Familiengeschichte der Franks mit Bildern, Texten und kurzen Filmen illustriert.
Nach dem offiziellen Start des Online-Rundgangs durch Katja und Paula Riemann stellten Schülerinnen und Schüler der Berliner Sophie-Scholl-Oberschule die Webseite vor. Sie hatten die Gelegenheit erhalten, sie bereits vorab zu testen und zeigten sich sehr angetan von den vielfältigen und abwechslungsreich gestalteten Informationsmöglichkeiten dieses neuen Angebots.
