Töricht und unhistorisch

Von Heiner Lichtenstein
03.03.2010 - Die schlimmen Folgen der blutigen deutschen Besatzungszeit dürfen nicht mit der griechischen Finanzmisere in einen Topf geworfen werden.

Nun hat sich die griechische Regierung also entschlossen gezeigt, die Sparvorschläge der EU umzusetzen, um die gewaltige Staatsverschuldung binnen drei Jahren deutlich zu senken. Das ist im beiderseitigen Interesse. Griechenland muss einerseits in der EU bleiben, die EU muss aber andererseits darauf achten, dass der Euro nicht in den Abgrund gerissen wird. Derzeit herrscht Einvernehmen.

Dass einige griechische Medien Deutschland beschuldigen, die griechische Finanzlast mit verursacht zu haben, ist dagegen töricht und völlig unhistorisch. Da musste mal wieder die Nazizeit herhalten, um möglichst überzeugend zu wirken. Die deutschen Besatzer hätten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Griechenland ausgeplündert, indem sie etwa die Staatskasse mit ihren erheblichen Goldreserven geraubt hätten. Das ist leider wahr und es ist keine Entschuldigung, dass die Barbaren dies unter anderem auch in den Niederlanden, Norwegen, Belgien und Luxemburg getan haben.

Es sollte in diesem Zusammenhang aber auch nicht vergessen werden, dass die junge Bundesrepublik sich Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre bemüht hat, mit ehedem von der Wehrmacht besetzten Staaten Entschädigungsverträge zu vereinbaren. Griechenland war 1960 mit 115 Millionen DM einverstanden. Dabei hat die BRD stets darauf bestanden, nicht in die Einzelzahlungen einbezogen zu werden. Das sollte stets jeder Staat für sich ausmachen. Das war eine kluge Bonner Entscheidung, weil es bei der Verteilung der Mittel Ungerechtigkeiten geben konnte. Es gab nur eine Ausnahme und die galt den deutschen Juden, die nach der Befreiung in die BRD kamen oder dort im Untergrund überlebt hatten.

Wenn nun versucht wird, die schlimmen Folgen der blutigen deutschen Besatzungszeit mit der griechischen Finanzlage in einen Topf zu werden, beschädigt man beide Seiten. Kein unterjochter Staat hat während der NS-Zeit so tapfer Widerstand geleistet wie Griechenland. Nirgendwo gab es so wenig Bereitschaft zur Kollaboration wie in diesem schönen Staat in Südosten Europas. Gut, dass die Regierung in Athen nicht in den giftigen Apfel gebissen hat.

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