Strafjustizielles Handeln

Mit dem Recht gegen Rechtsextremismus – Sanktionsmöglichkeiten und Instrumente.

Der Rechtswissenschaftler Heribert Ostendorf hat eine interessante Veröffentlichung herausgegeben, die sich mit dem Rechtsextremismus aus Sicht der Strafjustiz beschäftigt. Ostendorf ist Leiter der Forschungsstelle für Jugendstrafrecht und Kriminalprävention an der Universität in Kiel und hat 14 seiner Studierenden dazu gebracht, sich intensiv mit dem Phänomen von Straftaten mit politisch rechtsgerichtetem Hintergrund im Kontext mit den Sanktionsmöglichkeiten, die das Strafrecht aufzeigt, zu beschäftigen. Die 376-seitige Publikation ist Produkt eines entsprechenden Seminars von 2008 und richtet sich nicht nur an Juristen, sondern ist auch eine aufschlussreiche Lektüre für Sozialarbeiter, Pädagogen und Polizeibeamte.

In der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus bleibt das Strafrecht nur ein Instrument von mehreren und sollte daher auch nicht isoliert betrachtet werden. So wie das Strafgesetzbuch dem Richter in der Strafzumessung in der Regel einen Spielraum lässt, so gibt es in der Bewertung und Bewältigung rechtsgerichteter Gesinnung wie Delikte diverse Antworten, die nebeneinander stehen.

Das Strafrecht kann soziale Probleme nicht lösen

Ein schnelles strafjustizielles Handeln ist dabei meist wirkungsvoller als die Höhe eines Strafmaßes. Eine eindeutige Botschaft des Buches lautet: Eine Verschärfung des Strafrechts ist ein Irrweg, ein populistischer Alibicharakter, mit dem Hilflosigkeit kaschiert werden soll. Die andere Losung lautet: Mit Strafrecht lassen sich soziale Probleme nicht lösen.

Das Buch liefert detaillierte Kapitel über die Entwicklung rechtsextrem orientierter Straftaten, eine historische Analyse, die Auseinandersetzung mit Hitlergruß, Hakenkreuz und anderen nationalsozialistischen Symbolen, die Diskussion um freie Meinungsäußerung und Gesinnung (Auschwitz-Lüge) sowie über das weite Feld der Volksverhetzung. Ebenso wird ein Blick auf rechtsextreme Organisationen und in diesem Zusammenhang auf eine Definition von krimineller und terroristischer Vereinigung gerichtet. Auch die Verbotsdebatte wird nicht ausgespart. Aus aktuellem Anlass beschäftigt sich ein Beitrag auch mit Demonstrationsdelikten im Kontext rechtsextremer Aufmärsche.

Gesetzgeberische Initiativen werden ebenso unter die Lupe genommen wie auf höchstrichterliche Rechtssprechung an entsprechenden Stellen hingewiesen wird. Exemplarisch wird noch einmal der Verlauf des Prozesses vor dem Oberlandesgericht Schleswig (1993) zum Brandanschlag von Mölln (1992) dargestellt. Eine zentrale Frage war dabei die rechtsextreme Gesinnung der beiden Täter als Kriterium für „niedere Beweggründe“, wie es bei Mordprozessen von relevanter Bedeutung ist.

Heribert Ostendorf (Hrsg), Rechtsextremismus – eine Herausforderung für Strafrecht und Strafjustiz, 376 Seiten, Baden-Baden 2009, Nomos Verlagsgesellschaft, 376 Seiten, 89 Euro.

 

04. 02. 2010 - Horst Freires

Hintergrund

Hitler-Bilder im Clublokal

15.03.2010 - Das Fürstentum Liechtenstein muss sich mit einer militanten rechtsextremen Szene auseinandersetzen – besonders türkischstämmige Menschen sind häufiger Opfer teilweise brutaler Übergriffe. »

Die „nationale Revolution“

12.03.2010 - Mit seinem rassistischen Plakat bedient der rechtsextreme französische Front National im Wahlkampf Ressentiments gegen Migranten − die algerische Regierung hat bereits offiziell gegen den Missbrauch ihrer Nationalsymbole protestiert. »

Hass und Menschenhatz

11.03.2010 - Neonazis „outen“ im Netz nicht nur ihre politischen Gegner − in mehreren Fällen sollen die Betroffenen offenbar auch mit Gewalt zum Schweigen gebracht werden. »

Einschlägige Referenzen

09.03.2010 - Die FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz ist gern gesehene Referentin in rechtsextremen Kreisen − sie muss sich auch die Bezeichnung „Kellernazi“ gefallen lassen. »

Grenzübergreifende Ideologie

04.03.2010 - Die extreme Rechte in Europa sucht Wege einer verstärkten Zusammenarbeit. Parteien aus verschiedenen Ländern wie der französische Front National, die British National Party sowie die ungarische „Jobbik“ und mehrere Splitterparteien haben sich zu einem „Europäischen Bündnis der nationalen Bewegungen“ zusammengeschlossen. »

Schatten im Kleinstadtidyll

03.03.2010 - Neonazis begleiten Stadtratssitzung in Pirna in der Sächsischen Schweiz − in der Stadt hat es nach dem 13. Februar mehrere zum Teil brutale rechtsextreme Gewalttätigkeiten gegen politische Gegner gegeben. »

Absage an den NS-Hollywood-Clown

02.03.2010 - Die NPD will durch ein gemäßigtes Erscheinungsbild mehr Bürgernähe erreichen, Parteimitglieder sollen einen auf nett machen, sich als „sympathische“ Menschen mit Beruf und Hobbys darstellen. »

Braune Umtriebe

02.03.2010 - Neonazis haben am letzten Februarwochenende bei Neubrandenburg den so genannten Tollensemarsch sowie in Rostock einen Fackelmarsch durchgeführt − für den 6. März ist ein „Trauer- und Gedenkmarsch“ auf Rügen geplant. »

149 Tote durch rechte Gewalt in Deutschland von Oktober 1990 bis Ende 2009.

04.03.2010 - Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat eine neue Zählung von Opfern rechtsextremer und rassistischer Gewalt veröffentlicht. »

„Bart Gläubig Anschlag“ - Interkulturelle Wochen gegen Rassismus

01.03.2010 - Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden in diesem Jahr vom 15. bis zum 28. März in ganz Deutschland statt. Zahlreiche Organisationen und Einrichtungen engagieren sich in dieser Zeit für Verständnis und Toleranz unter den Menschen, ganz gleich welcher Herkunft. »

In eigener Sache: bnr.de jetzt kostenlos

15.02.2010 - In der Erscheinungsweise des „blick nach rechts“ bnr.de gibt es von März 2010 an einige Veränderungen. »

Gesicht zeigen gegen Neonazis

09.02.2010 - Online gegen den braunen Aufmarsch demonstrieren. »

Konsequente Weiterführung der Programme gegen Rechts gefordert

26.10.2009 - Initiativen und Organisationen erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie das Problem Rechtsextremismus ernst nimmt. Der Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit bedürfe eines langen Atems. Nötig sei die Förderung und Verstetigung der Arbeit der zivilgesellschaftlichen Akteure. »

Foto: Lorenz Richter Nazis aus dem Takt gebracht - Video vom Abschlusskonzert

15.09.2009 - Am 6. September 2009 fand in der "Alten Försterei" das Abschlusskonzert des Bandwettbewerbs "Nazis aus dem Takt bringen" statt. 5000 Menschen kamen ins Köpenicker Stadion und machten deutlich, dass Nazis in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. vorwärts.de war live dabei und zeigt in diesem Video Impressionen und Statements vom Konzert. »

Dreck weg!