Ich habe im Nürnberger Modeverbrecherprozess meinen Gegner vernichtend geschlagen“, jubelt Storch Heinar auf der Website „Endstation rechts“. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat eine Klage der Firma Mediatex gegen die Thor-Steinar-Persiflage abgewiesen und damit diese Art der Satire zugelassen.
Die Entscheidung wird nicht nur von den Urhebern und den Anhängern des Storchs Heinar gefeiert („wunderbar, Adebar!“). Auch bnr.de freut sich darüber. Denn das brandenburgische Unternehmen Mediatex, das die bei Rechtsextremen beliebten Kultklamotten der Marke Thor Steinar herstellt, ist mit seinem Versuch gescheitert, eine harmlose und ankommende Aktion gegen rechts zu unterbinden. Diese Art der satirischen Auseinandersetzung sei von den Grundrechten auf Kunst- und Meinungsfreiheit gedeckt, argumentierte das Gericht.
Storch Heinar darf also weiterklappern. „Endstation rechts“ bedankte sich bei Mediatex, das 94 Prozent der Kosten des Rechtsstreits zahlen muss, für die kostenlose Gratis-Werbung, die von fast allen Medien verbreitet wurde. Und Heinar, „der modeverrückte Führerstorch“, höhnt im Internet: „Ich hege keinen Zweifel, dass der Kampf um die Kleiderschränke der Nation nun gewonnen werden kann.“
Noch einmal: Auch der „blick nach rechts“, der die in Mecklenburg-Vorpommern entstandene Initiative Endstation rechts sympathisch findet und ihr nahe steht, ist mit diesem Urteil höchst zufrieden – erst recht, weil es häufig Anlässe gibt, an der Konsequenz unserer Gerichte gegen rechtextreme Umtriebe zu zweifeln.
Aber im Umfeld der manchmal auch etwas albernen und nervenden Storch-Kampagne machen sich Nebenerscheinungen breit, die nicht böse gemeint, aber zweifelhaft sind. So sind im Internet, angeregt durch die Heinar in den Schnabel gelegte Wortwahl, doppeldeutige Kommentare zu lesen wie „Der Endsieg und 1000 Jahre Heinarreich sind unser.“ Sowas soll wohl witzig sein, ist aber ziemlich daneben. Die Sprache des Dritten Reichs darf nicht leichtfertig verwendet werden. Sie eignet sich nicht für Scherze. Um welches Vokabular der Nazis es geht, ist in dem großartigen Buch LTI (Lingua Tertii Imperii) von Victor Klemperer nachzulesen.
Auch dass sich „Endstation rechts“, die Initiative von Heinars Patenonkel, dem Schweriner SPD-Landtagsabgeordneten Mathias Brodkorb, und der Jungsozialisten Mecklenburg-Vorpommerns, nun mit der „Front Deutscher Äpfel“ in Sachsen verbündet, wirft eine Geschmacksfrage auf. Sie wollten einen „Deutschlandpakt Leipzig/Rostock“ bilden, wird verkündet. Auch das soll humorvoll sein und will die Neonazis auf den Arm nehmen , ist aber – wie manches, was die „Front Deutscher Äpfel“ treibt, auch leicht missverständlich.
Nicht alles im Leben muss vollkommen ernst ablaufen, auch in der politischen Auseinandersetzung nicht. Aber gerade sie muss seriös sein. Und es gehört ein feines Fingerspitzengefühl dazu. Ab und zu stoßen „Endstation rechts“ und die „Front Deutscher Äpfel“, mit denen sich der „blick nach rechts“ verbündet fühlt, an die Grenze von der unkonventionellen Provokation zur erklärungsbedürftigen Mehrdeutigkeit.
