Sommer 2007, Mügeln. Ein Gruppe von Indern werden von Bürger der Stadt Mügeln durch die Straßen getrieben. Das Ende ist bekannt. Nur knapp entgingen sie dem gewalttätigen Mob. Angesprochen auf die gerufenen Parolen, die Aggression von „ganz normalen Bürgern“ sagte der FDP-Bürgermeister Gottfried Deuse: „Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.“ Alltag in der deutschen Provinz?
Was macht diese Provinz aus? Warum gedeiht hier antidemokratisches, rechtsextremes Gedankengut? Friedrich Burschel, Herausgeber des Sammelbandes, richtet dabei seinen Blick u.a. auf die Menschen in jener „Provinz“: „Die Menschen, die dort leben, sind geblieben. Ihr Lebensumfeld wird von der Politik mit Umschreibungen wie„Entleerungsräume“ bedacht. Es handelt sich um im Wortsinne abgeschriebene Regionen, wo niemand mehr etwas investiert.“
„Stadt - Land - Rechts“ setzt deshalb bei der Frage an, wie es Rechtsextreme in den so genannten „verlorenen Landstrichen“ auf beiden Seiten der Republik, aber auch in Städten wie eben Mügeln, Lauscha oder Aachen, es schaffen eine Atmosphäre der Angst und der Konformität zu erzeugen. Welche Strukturen in der Provinz begünstigen diese und letztlich, welche Konsequenzen sind daraus für die Arbeit in den Kommunen vor Ort zu ziehen?
Dazu lässt Burschel Praktiker wie Michael Weiss von apabiz, erfahrene Journalisten wie Andrea Röpke oder Andreas Speit, aber auch Politiker wie Martina Renner von der Fraktion DIE LINKE im Thüringischen Landtag zu Wort kommen. Thematisiert wird dabei nicht allein Ostdeutschland. Aus Hessen, Schleswig-Holstein und dem Großraum Aachen wird ebenso berichtet. Dabei werden so unterschiedliche Themen wie „Fussballvereine als Andockpunkte für neonazistische Einflussnahme im ländlichen Raum“, die HDJ oder die Frage „Warum die Bemühungen gegen Nazi-Strukturen seit knapp 20 Jahren immer wieder scheitern mussten“ behandelt.
Friedrich Burschel (Hrsg.): Stadt-Land-Rechts. Brauner Alltag in der deutschen Provinz. Reihe: Texte der Rosa-Luxemburg-Siftung; Bd. 63, Karl Dietz Verlag 2010, ISBN: 978-3-320-02201-3.
