Sportverbände gegen Rechtsextremismus

Von Gudrun Giese
10.02.2011 - Gemeinsames Handlungskonzept soll Vereine im Abwehrkampf stärken.

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: In der Kleinstadt Laucha in Sachsen-Anhalt konnte der bekennende Rechtsextremistist und NPD-Funktionär Lutz Battke nicht nur jahrelang unbehelligt seinen Beruf als Bezirksschornsteinfeger ausüben, sondern auch Jugendliche des Fußballclubs BSC 99 Laucha trainieren. Erst nach Intervention durch Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wurde Battke vergangenen Herbst als Trainer abberufen – nur um kurz danach als Schiedsrichter ein Fußballspiel der Jugend zu leiten.

Rechtsextremismus im Sport ist keine Einzelerscheinung. Der Soziologe Gunter Pilz etwa hält die rechtsextreme Unterwanderung von Sportvereinen für ein drängendes Problem. Da sich insgesamt immer weniger Menschen ehrenamtlich engagierten, nutzten Rechtsextremisten gerne die entstandene Lücke, erklärte Pilz, der im Auftrag des Bundesinnenministeriums 2009 die wissenschaftliche Studie „Rechtsextremismus im Sport in Deutschland und im internationalen Vergleich“ erarbeitet hat. Diese Arbeit ist wiederum Grundlage eines Handlungskonzepts von Sport und Politik zur Förderung von Toleranz, Respekt und Achtung der Menschenwürde, das kürzlich in Berlin präsentiert wurde.

Hetze gegen farbige Fußballspieler

Vor allem im Fußball, und dort in den unteren Ligen gibt es immer wieder Aufsehen erregende Übergriffe durch Neonazis, etwa im Herbst 2009, als eine Gruppe bei einem Bezirksligaspiel des RSV Brandis die Fans der gegnerischen Mannschaft Roter Stern Leipzig mit Eisenstangen angriffen. Farbige Fußballspieler sehen sich durchweg schlimmster Hetze ausgesetzt – auch prominente Kicker wie die früheren Nationalspieler Patrick Owomoyela oder Gerald Asamoah.

An der „Spitze“ des Sports ist das Problem dabei längst angekommen. Und so nahmen an der Podiumsdiskussion über die Inhalte des Handlungskonzepts neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Familienministerin Kristina Schröder und einem Vertreter der Bundeszentrale für politische Bildung auch DOSB-Präsident Thomas Bach und der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger, teil.

Unterwanderungsversuche von Neonazis

Das Böse komme oft in der Maske des Guten daher, warnte Zwanziger mit Blick auf geglückte Unterwanderungsversuche von Sportvereinen durch Rechtsextremisten. „Wenn ich Neonazi wäre, und ich hoffte, mich hat niemand im Verdacht, dann wüsste ich, was ich täte: Ich ginge in Sportvereine“, sagte er. Thomas Bach betonte, es müsse verhindert werden, dass rechtsextreme Vorstellungen im Sport Raum bekämen. „Das Wesen des Sports ist Integration. Es widerspricht dem Wert des Sports, wenn gegen andere vorgegangen wird.“

In dem zehnseitigen Handlungskonzept geht es nun in erster Linie darum, die bereits vorhandenen Aktivitäten gegen rechts zu bündeln und zu intensivieren. Der organisierte Sport soll sich eindeutig gegen Rechtsextremismus positionieren und frühzeitig Infiltrationsversuche aufdecken. Eine kompetente Unterstützungs- und Beratungsinfrastruktur soll zu diesem Zweck aufgebaut werden, damit die – oft ehrenamtlichen – Mitarbeiter in den Sportvereinen in geeigneter Weise gegen rechts agieren können. Gedacht ist dabei etwa an einen bundesweiten Pool von Fachberatern für Sportvereine.

Aktivitäten mit „antirechtsextremistischer“ Botschaft

Breiten Raum erhält im Handlungskonzept die Prävention: Neben genereller Aufklärung über rechtsextreme Erscheinungsformen sollen dabei insbesondere zielgruppenspezifische Informationen erarbeitet und an die Vereinsmitglieder gebracht werden. Und: „Prävention ist am effektivsten und nachhaltigsten, wenn sie sich an Jugendliche richtet“, heißt es. „Kooperationen zwischen Landessportjugenden/Verbänden/Vereinen und Schulen beziehungsweise Jugendclubs vor Ort und eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Aktivitäten mit ,antirechtsextremistischer’ Botschaft können daher hilfreich sein; ebenso wie die Zusammenarbeit mit Jugendämtern.“ Vor allem aber gehe es darum, Freizeit- und Sportangebote für Kinder und Jugendliche zu erhalten und Rechtsextremisten erst gar keine Chance zum Aufbau einer eigenen Infrastruktur zu bieten.

Allerdings bleibt das Handlungskonzept relativ vage bei der Beschreibung der konkreten Maßnahmen in den Vereinen wie auch bei den Finanzierungsfragen. So wird vermutet, dass das vorhandene Geld nicht reichen wird und eine Akquise zusätzlicher Mittel nötig werde. Insofern kann das vorgelegte Konzept am Ende nur so gut und wirksam sein wie sich Vereine und Verbände bereit finden werden, es konsequent in die Praxis umzusetzen.

Das Handlungskonzept kann auf der Internetseite www.lab-concepts.de/aktuelles/index.asp heruntergeladen werden.

 

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