Schwieriger Start

Die „Bürgerbewegung pro Deutschland“ wirbt vergeblich um den Berliner CDU-Abtrünnigen René Stadtkewitz als Spitzenmann für die Wahlen im nächsten Jahr – Mitte August wollen die Rechtspopulisten ihr Hauptstadt-Büro eröffnen.

„Pro Deutschland“ muss in Berlin kleinere Brötchen backen als noch vor einem halben Jahr erwartet. Das Buhlen um Bündnispartner war bisher erfolglos; das große Geld des angeblichen Sponsors Patrik Brinkmann bleibt aus; und einer der Funktionäre der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ sorgt durch tatsächliche oder angebliche private Verfehlungen dafür, dass es in den eigenen Reihen, aber auch bei der Schwesterorganisation „pro NRW“ gehörig kracht.

Zu gerne hätte die Truppe rund um Manfred Rouhs René Stadtkewitz als Spitzenmann gewonnen. Der Abgeordnete ist bekannt in der Stadt und im Augenblick in den Schlagzeilen, weil er partout nicht auf die Durchführung einer Veranstaltung mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders verzichten mag. Dafür soll Stadtkewitz nun aus der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus ausgeschlossen werden, der er immer noch angehört, obwohl er sein Parteibuch bereits im vorigen Herbst zurückgegeben hatte. Zudem ist der 45-Jährige stellvertretender Bundes- und Landesvorsitzender des antiislamischen Vereins „Pax Europa“.

„Übereinstimmende politische Ziele“

Ihn hätte „pro Deutschland“ gut gebrauchen können, ist das eigene Personal doch eher weniger vorzeigbar oder muss sich wie der Parteivorsitzende Manfred Rouhs nachsagen lassen, bei „pro Deutschland“ nur fortsetzen zu wollen, was er zuvor bei anderen extrem rechten Formationen wie der NPD, den Republikanern oder der Deutschen Liga für Volk und Heimat mehr oder weniger erfolglos begonnen hatte.

Er werde nicht für „pro Deutschland“ antreten, versicherte Stadtkewitz nun. Ende Mai hatte er gar erklärt, es gebe „weder einen direkten noch einen indirekten Kontakt“ mit der „pro-Bewegung“, der er im Übrigen vorhielt, mit Extremisten zu paktieren.

„Pro NRW“-Generalsekretär Markus Wiener erinnert sich anders. Man habe doch in Köln ein „sehr zielführendes Gespräch“ geführt: Stadtkewitz, der „pro Köln“-Stadtrat Jörg Uckermann und er, Wiener. Sie hätten „viele übereinstimmende politische Ziele feststellen können“, meint Wiener. Differenzen seien lediglich „im Promillebereich“ zu finden. Er macht sich und seiner Rechtspopulistentruppe Mut, dass es doch noch klappen könnte: „Da ist auch das letzte Wort noch nicht gesprochen, wer in welcher Form mit wem in Zukunft zusammenarbeiten kann.“

„Brücken bauen, die zu neuen Formen finden“

Auf verschiedenen Ebenen versucht man nun, die zumindest offiziell nicht vorhandene Sympathie von Stadtkewitz gegenüber „pro“ doch noch zu erlangen. Man habe ihm Räumlichkeiten für die Wilders-Veranstaltung angeboten, was dieser jedoch ablehnte, erklärte Rouhs auf Nachfrage. Aus „Respekt“ würden daher am 2. Oktober auch keine „bekannten Vertreter“ der „pro“-Truppe auftreten.

Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten will Patrik Brinkmann. Er wolle die Spitzen der „pro“-Gruppierungen, der Republikaner, Geert Wilders’ „Partij voor de Vrijheid“ (PVV), Stadtkewitz „und alle selbstdenkenden Politiker“ zu einem Dialog einladen, erklärte der schwedische Unternehmer in der vorigen Woche. Aus der Absage von Stadtkewitz an eine Kandidatur für „pro Deutschland“ folgert Brinkmann, dass bereits über die Rouhs’sche „Bürgerbewegung“ hinaus gedacht werden solle: „Dann müssen wir eben Brücken bauen, die zu neuen Formen finden. Es darf hier nicht um Namen oder Personen gehen, sondern um die Sache.“

Wenig erfreuliche Details im Parteileben

Dabei setzt er offenbar darauf, dass der Besuch von Wilders Anfang Oktober in Berlin quasi als Katalysator für die Einigungsbemühungen der rechtspopulistischen Gruppierungen in der Hauptstadt wirken könnte. Brinkmann: „Ich bin davon überzeugt, dass Geert Wilders mit seiner großen politischen Erfahrung längst weiß: Allein und gegeneinander wird sich in Berlin nichts verändern. Und wenn sich in Berlin nicht 2011 eine frische und wirklich demokratische Kraft etabliert, dann wird dies auch nicht für die nächste Europawahl möglich sein.“ Manfred Rouhs sieht die Sache realistischer und eine vereinigte Rechte scheinbar in weiter Ferne: „Ein Bündnis mit einer kleinen, politisch rechtsgerichteten Partei in Deutschland wäre für Herrn Wilders in den Niederlanden kontraproduktiv“.

Doch bevor sich Brinkmann ums Große und Ganze kümmern kann, um das es ihm stets bevorzugt geht, musste er sich offenbar um wenig erfreuliche Details im Parteileben der „pro-Bewegung“ kümmern. Ronald Micklich, seit dem Sommer 2009 stellvertretender Vorsitzender von „pro NRW“ und Bezirksvorsitzender im Rheinland, ließ am Dienstag kurz und knapp wissen, dass er mit sofortiger Wirkung aus der Partei austrete.

Querelen aus Nordrhein-Westfalen

Micklich ist nicht irgendwer. Er war bei der Vorbereitung des Landtagswahlkampfs unentbehrlich, sowohl bei den vorbereitenden Versammlungen in den Wahlkreisen als auch später als Haus- und Hoftechniker von „pro NRW“. Wichtiger noch: Er ist Stadtrat im heimischen Leichlingen und Kreistagsmitglied im Rheinisch-Bergischen Kreis. Unter der Überschrift „Crash: Pro Deutschland Politiker begibt sich ins Abseits“ verriet er, was Grund für den Streit war, der auch „Herrn Brinkmann“ beschäftigt habe. Er warf einem namentlich genannten „pro D“-Funktionär vor, dieser habe beim Bundesparteitag Mitte Juli nichts Besseres zu tun gehabt, „als sich der Gattin von R.M., die an dieser Veranstaltung teilnahm, zu nähern“. Weitere Details zu schildern, verbiete der „gute Ton“. Zugleich klagte Micklich über „Erpressungsversuche“ jenes „pro D“-Politikers. Inzwischen scheint der Konflikt beigelegt und der Leichlinger „pro“-Politiker nun doch weiter im Amt zu sein.

In Berlin scheint man sich um die Probleme in Nordrhein-Westfalen nicht kümmern zu wollen. Mitte August steht die Eröffnung des Hauptstadt-Büros an, und wenige Wochen später soll der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe sein. Dabei könnten sich die Querelen aus NRW als durchaus negativ für den Berliner Landesverband erweisen, gilt doch der von Micklich angegriffene „pro“-Funktionär als einer der Spitzenkandidaten für Berlin 2011.

29. 07. 2010 - Tomas Sager/Maik Baumgärtner

News von bnr.de alle 14 Tage als Mail

Benutzeranmeldung

Hintergrund

Alljährlicher September-Marsch

27.08.2010 - Tagsüber sind sie mit Flugblättern und Buttons „bewaffnet“, nachts ziehen sie mit Steinen und Reizgas los – Dortmunder Neonazis vor ihrem großen Event: dem „Nationalen Antikriegstag“. »

Neonazis wollen Heisenhof loswerden

26.08.2010 - Die verzwickten Vermögensverhältnisse des verstorbenen Jürger Rieger halten auch die „Kameraden“ in Atem – der rassistische Akademikerverein, der das ehemalige Bundeswehrgelände in Dörverden geerbt hat, will sich davon „entlasten“. »

Geburtstagsfeier mit „Rahmenprogramm“

23.08.2010 - 600 Neonazis bei Rechtsrock-Konzert auf dem Nahtz-Hof in Eschede – die Polizei führt scharfe Kontrollen durch. »

Hochzeit mit Blasmusik und Rechtsrock

16.08.2010 - 300 Gäste feierten mit dem Neonazi Sven Krüger auf dessen Grundstück – die Polizei hatte ein Bereitschaftskontingent im Einsatz. »

Aufmarschmüde NS-Nostalgiker

16.08.2010 - Zum fünften Mal in Folge seit dem Jahr 2006 zogen Neonazis durch Bad Nenndorf, um an angebliche „Kriegs- und Nachkriegsverbrechen“ der Alliierten zu erinnern. Innerhalb der Szene erwies sich die Demonstration allerdings als Rückschlag. »

„Legitime Gewalt“

13.08.2010 - Die schwarz gekleideten Rechts-„Autonomen“ im Ruhrgebiet sind im Kopf nach wie vor tiefbraun – Sachbeschädigungen und Bedrohungen der politischen Gegner gehören zu ihrem politischen Repertoire. »

„Dorfgemeinschaft Jamel“

11.08.2010 - Am Samstag will der berüchtigte NPD-Politiker Sven Krüger mitten in Jamel in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Dorfplatz seine Hochzeit feiern. Die Menschen dort leben in Angst. Am vergangenen Wochenende hatten Neonazis das Vielfalt-Festival angegriffen. »

Neonazis im Bürohaus Europa

06.08.2010 - Heimlich wollte die thüringische NPD über einen Mittelsmann einen Bürokomplex in Bad Langensalza aufkaufen. Die Pläne wurden zwar bekannt, die NPD quartiert sich aber bereits ein. »

Rocker-Mythos

05.08.2010 - Zahlreiche rechte Aktivisten wechseln in die Reihen der Motorrad-Gangs – die „Hells Angels“ beerdigen in Bremen ihren ersten türkischen Anwärter auf einem islamischen Friedhof. »

Elite der „nationalen Bewegung“

04.08.2010 - Bei den Freien Kräften haben sich zunehmend länderübergreifende Strukturen entwickelt – in Bayern übernimmt der altbekannte österreichische Neonazi Gottfried Küssel eine führende Rolle. »

Topographie des Terrors: Vergangenheit, die nicht vergeht

30.08.2010 - Eine neue Dauerausstellung auf dem historischen Gelände der Stiftung Topographie des Terrors gibt einen Überblick über die Reichshauptstadt Berlin und die Folgen der NS-Herrschaft für die Stadt und ihre Bevölkerung. Hier standen einst die Befehls- und Verwaltungszentralen von SS und Gestapo. »

„Für eine Welt ohne Rassismus, Homophobie und Ausgrenzung“

26.08.2010 - Mehr Toleranz im Alltag. Am Mittwoch ist das Projekt „361 Grad Respekt – der YouTube- Jugendwettbewerb gegen Ausgrenzung“ gestartet. Jugendliche haben die Möglichkeit, Videos gegen Ausgrenzung, Rassismus, Homophobie und Cyber-Mobbing“ zu drehen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. »

Der Ort des Terrors

10.08.2010 - Zweitägige Tagung des Zentrums für Antisemitismusforschung über die nationalsozialistischen Zwangslager.  »

Für Zusammenhalt und Respekt: Die ungewöhnliche Ausstellung „7 x jung“.

14.06.2010 - Sie schafft auf einzigartige Weise den Brückenschlag vom Damals ins Heute. „7 x jung“, die Ausstellung zum Nationalsozialismus des Vereins „Gesicht zeigen!“, wurde am 7. Juni im Beisein ihres Schirmherrn, des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder, in den S-Bahn-Bögen des Bahnhofs Bellevue in Berlin eröffnet. »

In der Akademie der Künste in Berlin unterstützen 600 Menschen den Kampf gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus.

28.05.2010 - 34. Akademie-Gespräch: Brennpunkt Zossen – Demokratie verteidigen! »

Zehn Jahre „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ – der Anstand der Aufmerksamen

27.05.2010 - Extremismus und Gewalt sollte wirkungsvoll etwas entgegengestellt werden. Sie wollten „hinschauen, handeln, helfen“. Diese Aufgabe wurde zum Motto des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz“, das die rot-grüne Bundesregierung am 23. Mai vor zehn Jahren aus der Taufe hob. »

Topographie des Terrors eröffnet

07.05.2010 - Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors – ein Ort der Täter – ist seit dem 7. Mai der Öffentlichkeit zugänglich. Die bisherige provisorische Dauerausstellung wurde grundlegend überarbeitet und erweitert. »

Respekt und Anerkennung für aufrechte Demokraten

06.05.2010 - Zur Sitzung des Ältestenrates am 6. Mai erklärt die Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles: »

Kritik an Thierse ist scheinheilig

05.05.2010 - Zu dem demokratisch beanstandungsfreien Verhalten von Wolfgang Thierse am 1. Mai erklären für die AG Rechtsextremismus der SPD-Bundestagsfraktion die Abgeordneten Sönke Rix, Daniela Kolbe, Martin Gerster und Steffen-Claudio Lemme: »

Dreck weg!