"Störungsmelder"

Von Nadja Müntsch
12.11.2007 - Ein neues Weblog gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geht an den Start.

„vorwärts“-Chefredakteur Uwe-Karsten Heye hat sich dafür ausgesprochen, einen Demokratiegipfel in Berlin einzuberufen, um der wachsenden Zahl rechtsextremer Gewalttaten entgegenzuwirken. Bei der Vorstellung des Weblogs „Störungsmelder“ am 12. November in Berlin benannte Heye, Vorsitzender des Vereins „Gesicht Zeigen! e.V.“, nicht nur zunehmende rechtsextremen Straftaten als Problem. „Auch gegen die wachsende Zahl junger NPD-Mitglieder müssen wir etwas unternehmen. Dazu bedarf es bundesweiter Anstrengungen, nicht nur der Zivilgesellschaft“, sagte Heye. Er forderte Landesregierungen, kommunale Spitzenverbände und Organisationen aus Kultur und Sport auf, sich mit dem Thema Rechtsextremismus intensiver zu befassen. Gleichzeitig mahnte der „vorwärts“-Chefredakteur an, einen Dialog „mit denjenigen in Gang zu setzen, um die es geht: Nämlich mit den Jugendlichen.“
Dazu macht das neue Weblog „Störungsmelder“, das von der Wochenzeitung „Die Zeit“ gemeinsam mit mehreren Netzportalen, Prominenten und dem Verein „Gesicht Zeigen!“ ins Leben gerufen wurde, einen Anfang: Das Projekt spricht gezielt junge Menschen an, sich als Autoren an der Webseite zu beteiligen. Gemeinsam mit Gleichaltrigen und Experten können sie dort ihre persönlichen Erfahrungen mit Rechtsextremisten veröffentlichen und gleichzeitig Handlungsmöglichkeiten diskutieren, wie man sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wehren kann. Wer beispielsweise Stress mit der rechten Clique an der Bushaltestelle hat, kann über den „Störungsmelder“ davon berichten. Ebenso haben Blogleser die Möglichkeit, darüber abzustimmen, wie hilfreich ein bestimmter Artikel war – oder schreiben gleich selbst einen Kommentar.

TV-Moderator Markus Kavka hat als einer der ersten Autoren einen Artikel ins Weblog eingestellt und ist von der Idee überzeugt: „Wir müssen versuchen, die 14- bis 18-Jährigen abzufangen, bevor sie vollends in die Hände der NPD geraten“. Kavka hat angekündigt, künftig nicht nur Beiträge zu schreiben, sondern sich an den Schulen mit Jugendlichen über Rechtsextremismus zu unterhalten. „Es geht nichts über das persönliche Gespräch“, pflichtete ihm „vorwärts“-Chefredakteur Heye bei. „Gesicht Zeigen!“ und Kavka wollen dazu bald eine Schule in Henningsdorf besuchen.

Der Fernsehjournalist Patrick Gensing hat bereits Blogger-Erfahrung. Er betreibt seit zwei Jahren seinen NPD-Blog, der in diesem Jahr für den Grimme-Preis nominiert war. „Rechtsextremisten zielen darauf ab, kulturelle Hegemonie unter den Jugendlichen zu erreichen. Ignorieren hilft da auf keinen Fall“, warnt Gensing. Den erfolgreichen Seiten stehen aber auch Onlineplattformen gegenüber, die nach einiger Zeit wieder eingestellt werden. Wie also sichert man Kontinuität? „Der ‚Störungsmelder’ ist eine gute Ergänzung zum bereits bestehenden Angebot. Daher sind wir optimistisch, dass sich viele User beteiligen“, hofft „Zeit“-Redakteur Christian Bangel, der maßgeblich am Projekt beteiligt ist. 16 Autoren haben bereits Artikel veröffentlicht. Blog-Debütant Kavka wird dabei von prominenten Kollegen wie den Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Ole Tillmann sowie dem Fußballspieler Thomas Hitzlsperger, der Schauspielerin Nina Gnädig und dem Rechtsextremismus-Experten Toralf Staud unterstützt.

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