Neonazis im schwarzen Business

Das konspirativ beworbene NS Black-Metal-Konzert in der „Erlebnisscheune“ im thüringischen Kirchheim konnte am Samstag ungestört über die Bühne gehen. Die Behörden hatten keine eigenen Angaben zu den Hintergründen der Organsisatoren − und sahen vor Ort keine Handhabe gegen eine geschlossene Veranstaltung vorzugehen.

Als die Polizei am frühen Samstagabend die kleine thüringische Ortschaft Kirchheim abriegelte, hatte das Verwaltungsgericht Weimar eine zuvor erlassene Verbotsverfügung der Gemeinde bereits wieder aufgehoben: Denn die war dem Wirt der „Erlebnisscheune“ zugestellt worden – in ihm sah das Gericht allerdings den falschen Adressaten. Nach internen Informationen soll der Wirt zwar eine Abmachung mit der NPD für diverse Veranstaltungen haben, aber über jeweiligen Anlass und Organisationsstrukturen erst kurzfristig in Kenntnis gesetzt werden.

So ging das Kalkül des MoD-Versandhandels aus Berlin, deren Betreiber der thüringische Neonazi Hendrik Möbus ist, auf. Seine anreisenden Gäste, unter anderem aus Tschechien, Finnland, Sachsen und Nordrhein-Westfalen, konnten sich sicher fühlen. Der Event war als geschlossene Veranstaltung mit genau verzeichneter Teilnehmerliste ausgewiesen.

Die meisten der rund 70 Besucher trugen überwiegend lange, zum Zopf gebundene Haare, schwarzes Leder oder Tarnjacken. Sie hatten für den exklusiven Gig im Voraus bezahlt. Immer wieder sah man auch Aufnäher der bekanntesten deutschen NS Black-Metal-Band „Absurd“, deren Kopf der verurteilte Straftäter Möbus war.

Zwar mussten die anreisenden Konzertbesucher eine Personalien- und Führerscheinkontrolle überstehen, doch darauf waren sie vorbereitet, wie ein Teilnehmer auf Nachfrage erklärte. Er zeigte ein von Hendrik Möbus unterschriebenes Blatt Papier, in dem dieser persönlich zur „Tonträger-Werbeveranstaltung“ nach Kirchheim eingeladen hatte. Das Schreiben endete mit dem Hinweis, unbedingt das Einladungsschreiben mitzunehmen, denn „unsere Freunde und Helfer könnten Dich danach fragen“. Er rät seinen Gästen darin auch, „Warndreieck und Verbandskasten“ dabei zu haben, wohlweislich um die erwarteten Polizeikontrollen sicher zu passieren.

Kurz nach 21:00 Uhr an dem Samstag zog sich die Polizei schließlich aus Kirchheim zurück und das Konzert mit den drei Bands „Armatus“ (Deutschland), „Goatmoon“ (Finnland) und „Sturmkaiser“ (Italien) begann ohne weitere Beeinträchtigungen.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Thüringer Behörden und Lokalmedien durch die Berichterstattung von bnr.de von dem konspirativ vorbereiteten Konzert erfahren. Nur einen Tag später warnte auch die „Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus“ (Mobit) vor einem „neuen Neonazizentrum“ in der „Erlebnisscheune“ Kirchheim, in der in diesem Jahr bereits rund zehn rechtsextreme Veranstaltungen stattgefunden hätten. Trotz der Hinweise und Warnungen konnte die Pressestelle des Thüringer Innenministeriums am vergangenen Freitag keine genaueren Auskünfte zu der Veranstaltung machen. Recherchen des MDR bestätigten, dass der NPD-Funktionär Patrick Weber die Räumlichkeiten vermittelt hatte.

Hendrik Möbus, der 1993 als „Satansmörder von Sonderhausen“ bekannt wurde und eine insgesamt 12-jährige Haftstrafe absaß, scheint von seinem zweifelhaften Ruf intern zu profitieren. Ebenso wie sein Bruder Ronald gilt er als Größe im schwarzen Business. Erst im Oktober dieses Jahres durchsuchten Polizeibeamte seine Berliner Wohnung und beschlagnahmten bei ihm und einem Partner rund 12 000 CDs, teils mit rassistischen Symbolen.

Neben dem Online-Versand „Merchant of Death“ veranstaltet Möbus unter dem Namen „Totentanz Konzerte“ (TTK) Veranstaltungen mit Gruppen aus dem NS Black-Metal-Spektrum. Wie nun bekannt wurde, hatte TTK bereits einen Tag vor der Feier in Kirchheim zu einem Konzert im tschechischen Zatec geladen. Dort waren neben „Sekhmet“ (Tschechien), auch „Goatmoon“ und „Sturmkaiser“ angekündigt worden. In Zatec erwartete die Besucher auch ein „Special guest“, wobei Szenekenner davon ausgehen, das es sich dabei um einen der seltenen Auftritte der Band „Absurd“ gehandelt haben könnte.

09. 11. 2009 - Andrea Röpke/Maik Baumgärnter

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