Mit der Bäckertüte für mehr Demokratie

Von Stefan Grönebaum
14.05.2010 - Ein Projekt untersucht, mit welchen Mitteln Kommunen demokratisches Miteinander fördern können.

Regt man die Stadt- oder Dorfgesellschaft zu Debatten an, geht es oft „nur“ um Park- oder verdreckte Spielplätze. Braucht es dazu Soziologen aus Bielefeld, fragt sich Dierk Borstel, Mitarbeiter des Instituts für interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung der Uni Bielefeld (IKG). Die Soziologen um Prof. Wilhelm Heitmeyer hatten im Auftrag des Bundesinnenministeriums über Umfragen in (ost-)deutschen Kommunen Sozialraumanalysen erstellt, die Aufschluss geben sollen, wie Kommunen vor Ort demokratisches Miteinander fördern und Ausgrenzung vermeiden können.

Grundthese sei, so Heitmeyer, das nur der Ausgrenzung und Extremismus besiege, der die Bürger mitnehme. Wer selber Gehör finde, werte andere weniger ab. Dazu gehört es, die Distanz zur Politik zu verringern. In Neubrandenburg fühlten sich 78 Prozent von dieser allein gelassen. Mit niedrigschwelligen Angeboten („Tombola“) erreichte man die Bürger eines Problemviertels, die über Park- und Spielplätze debattierten – ein Fortschritt für Bürger, die sich bisher meist ohnmächtig fühlten. Nun wird unter anderem ein Flyer erstellt, damit sie Ansprechpartner finden.

Gebraucht werden „Übersetzer“ in den lokalen Medien

Schwierig war es mit dem Partner auch in Anklam. Die Verwaltung blockte eher ab, einige junge Engagierte wurden als „Linksextreme“ ausgegrenzt und bestätigten irgendwann das Vorurteil. Nun soll eine Kampagne mehr Identität stiften und eine Zukunftswerkstatt ein Leitbild für ein demokratisches Borna entwickeln. In Wernigerode im Harz wurden vorhandene Strukturen durch Kleinprojekte gefördert, in Altenburg hilft ein Projektfonds, eigene Themen wie Generationskonflikte zu erarbeiten.

Doch Beteiligungsprojekte brauchen Zeit und jeder Ort hat seine eigene. Generell brauche es Partner vor Ort, aber der Anstoß müsse meist von außen kommen, so Borstel im vorläufigen Fazit. Es müssen Strukturen gefördert, zivile Partner entwickelt werden und man muss versuchen, an den oft ungeliebten politischen Themen zu bleiben.

Laut Wilhelm Heitemeyer helfen die Strukturen den engagierten Akteuren vor Ort. Es brauche aber neben „Türöffnern“ in der Lokalpolitik auch „Übersetzer“ in den lokalen Medien. Da oft kaum noch Zeitung gelesen werde, seien Anzeigenblätter sowie Bäckertüten notwendige Informationsmittel.

www.uni-bielefeld.de/ikg

Der Text ist erschienen in der DEMO - Monatszeitschrift für Kommunalpolitik Ausgabe 5/2010.

www.demo-online.de

 

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