Konspirativer Hardcore-Gig

In der „Erlebnisscheune“ im thüringischen Kirchheim soll ein NS Black-Metal-Konzert stattfinden − Drahtzieher sind die einschlägig bekannten Brüder Hendrik und Ronald Möbus.

Für kommenden Samstag, den 7. November, planen Hendrik und Ronald Möbus ein Geheimkonzert im thüringischen Kirchheim mit den drei Bands „Armatus“, „Goatmoon“ und „Sturmkaiser“ aus dem National Socialist Black Metal (NSBM)-nahen Spektrum. Hendrik Möbus, Schlagzeuger und Kopf der Szene-Kultband „Absurd“ wurde 1993 als „Satansmörder von Sonderhausen“ bekannt, nachdem er mit zwei weiteren Bandmitgliedern seinen Mitschüler Sandro Beyer getötet hatte.

Während der insgesamt 12-jährigen Haftstrafe zeigte der Neonazi, der sich einer Verhaftung zunächst durch Flucht in die USA entzogen hatte, keine Reue. Im Gegenteil, das Opfer wurde als „Volksschädling“ verhöhnt. „Absurd“ genießt Kultstatus in einschlägigen Kreisen. Auch beim geplanten Konzert in der „Erlebnisscheune“ in Kirchheim zahlen rund 120 ausgewählte Gäste für den konspirativen Gig bereits per Vorkasse.

2007 wurde Möbus aus der Haft entlassen. Sein älterer Bruder Ronald führte die Band weiter. Er scheint auch über einen guten Draht zur NPD zu verfügen, so heißt es, der NPD-Kreistagsvorsitzende aus dem Kyffhäuserkreis, Patrick Weber, der auch im Stadtrat von Sondershausen sitzt, sei bei der Beschaffung der Location behilflich gewesen. Tatsächlich nutzte die NPD das Hotel „Fachwerkhof Kutz“, auch genannt „Erlebnisscheune“, bereits zu zahlreichen Gelegenheiten, unter anderem für die geplante Wahlparty zu den Landtagswahlen. Der 26-jährige Weber, der nach eigenen Angaben bereits seit seinem 14. Lebensjahr in der Szene aktiv ist, firmiert auch als Geschäftsführer des „Germania Versands“ in Sondershausen.

Den „Satansmord“ für Marketingzwecke nutzen

Geschäftlich scheint vor allem der jüngere der Möbus-Brüder im NSBM sein Auskommen zu suchen. So betrieb der „wahre Nationalsozialist“, wie ihn ein Kamerad der US-amerikanischen „National Alliance“ einmal beschrieb, zunächst den Musikversand „Darker than Black“, der immer wieder ins Visier der Behörden geriet. Mit dem Online-Versand „Merchant of Death“ konnte der braune Geschäftsmann seinen Einfluss im NS-Musikbereich noch vergrößern.

Im Oktober dieses Jahres durchsuchten Polizeibeamte die Wohnung des Neu-Berliners Hendrik Möbus im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick und beschlagnahmten bei ihm und einem Partner insgesamt 12 000 CDs, teils mit rassistischen Symbolen. Hintergrund der Razzia bei den beiden wegen „einschlägiger Delikte“ polizeibekannten Neonazis, soll laut dem Fachportal „redok“ auch das Vorhaben gewesen sein, alte „Absurd“-Aufnahmen neu herauszubringen und so den „Satans-Mord“ erneut für Marketingzwecke nutzen zu wollen.

Verherrlichung von Hakenkreuz und Drittem Reich

Seit seiner Haftentlassung habe es kein Konzert mit Hendrik als Sänger mehr gegeben, sagt Musikexperte Christian Dornbusch, Mitte Dezember sei aber von einem Konzert in Chicago intern die Rede. Für die jetzt geplante Veranstaltung wurden die NS Black-Metal nahen Bands „Armatus“ aus Siegen, „Goatmoon“ aus Finnland und „Sturmkaiser“ aus Italien angekündigt. Die 1997 gegründete nordrhein-westfälische Band „Armatus“ gilt als provokativ. Ihre zuletzt veröffentlichte CD „Armee der schwarzen Stiefel“ war dem in Italien inhaftierten Kriegsverbrecher und unbelehrbaren Altnazi Erich Priebke gewidmet. Bei einem Konzert vor rund acht Jahren soll ein Bandmitglied gemeinsam mit einem Kameraden einen Besucher mit Messer und Pistole bewaffnet angegriffen haben, heißt es in der Veröffentlichung „Unheilige Allianzen“ von Dornbusch. Die finnischen Musiker von „Goatmoon“ gelten als rassistisch, sie verherrlichen Hakenkreuz und Drittes Reich in ihren Songs. Anfang 2008 fand ein gemeinsamer Auftritt mit „Absurd“ in Finnland statt.

Möbus, der im August dieses Jahres der internationalen „Autonomen Nationalisten“-Plattform „Syndikat Z“ ein Interview gab, weiß auch mit elitären politischen Statements Aufsehen zu erregen. „Syndikat Z“ gegenüber räumte Möbus ein, er wisse von der „politisierenden“ Massenwirkung von Musik. So kämen viele junge Menschen „erst durch Musik mit den Ideen der ‚nationalen Bewegung’ in Berührung“, unter diesem Einfluss könne sich dann eine „arteigene Weltanschauung bei ihnen entwickeln“. Aber offen rechnet der Neonazi mit pöbelnden und „asozialen Alkoholikern“ unter den Kameraden ab. Er würde es eher begrüßen, „wenn die Musik ganz unabhängig von irgendeiner ‚Jugendkultur’ existieren könne“. Denn, „wem es mit der ‚nationalen Bewegung’ ein ernstes Anliegen ist, der sollte sich frühzeitig von einer ‚Jugendkultur’ emanzipieren“, betonte Möbus – wohl nicht ohne Anspielung in Richtung der oft als Lifestyle-Erscheinung kritisierten „Autonomen Nationalisten“.

Forderung nach Verbot der Veranstaltung bereits „im Vorfeld“

Um das geplante Geheimkonzert in Thüringen aber dennoch ungestört über die Bühne bringen zu können, rechnen die szenekundigen Möbus-Brüder wohl damit, dass die Aufmerksamkeit von Behörden und Öffentlichkeit eher auf das im nahen Sangerhausen geplante „Winterfest“ der Freien Kräfte um Enrico Marx gelenkt sein könnte.

Doch auch im kleinen Ort Kirchheim rührt sich längst der Widerstand. Nach Recherchen der Landtagsabgeordneten Martina Renner (Die Linke) gilt die „Erlebnisscheune“ bereits als Thüringen-weiter Treffpunkt der Szene. „Mehr als zehn Veranstaltungen fanden dort bereits statt“, so Renner, „vom NPD-Parteitag, über Pressegespräche bis hin zu politischen Schulungen“. Die letzten zwei rechten Konzerte hätten im Oktober stattgefunden. Renner kritisiert, warum der überregional beworbene Skinhead-Konzerterlass der Landesregierung in Kirchheim keine Anwendung findet. Sie fordert ein Verbot für die Hardcore-Veranstaltung bereits „im Vorfeld“.

04. 11. 2009 - Andrea Röpke/Maik Baumgärtner

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