Fundamentale Kritik

Die DVU befindet sich nach dem missglückten Neustart in einem miserablen Zustand ­– hinter den Kulissen agiert der Neonazi Christian Worch.

Im Landtagswahlkampf in Brandenburg war Christian Worch bei der DVU fürs Organisatorische zuständig. Wer geglaubt hatte, sein Engagement wäre nur ein kurzes Intermezzo, sah sich getäuscht. Worch mischt immer noch in der DVU mit – und entwickelt sich zu einem der schärfsten Kritiker von Parteichef Matthias Faust.

Seit Mitte Januar füllt er beinahe täglich die Spalten der DVU-Homepage mit Texten aus seiner Feder. Mal schreibt er über Gesundheitspolitik, mal über den kriselnden Euro, mal über Taliban-Aussteiger und den Krieg in Afghanistan. Kein Thema scheint ihm fremd. Provokatorisch Neonazistisches verkneift er sich dabei. Bis vor drei Wochen hatte noch DVU-Pressesprecher Andreas Molau die Welt- und Politiksicht der DVU auf der Homepage ausgebreitet. Ob er erkrankt ist, wie nach einem Treffen der DVU in Frankfurt im Januar spekuliert wurde, bei dem er fehlte, oder ob auch er schon auf der Suche nach neuen politischen Ufern ist, wie es ihm Patrik Brinkmann vorgemacht hat, ist offen.

Die DVU ist in weiten Teilen nur noch eine virtuelle Partei. Viele Alt-Mitglieder sind, was sie immer waren: passive Zuschauer. Einige Mitglieder, die an einen Neuanfang als funktionierende Partei glaubten, sind wieder ausgetreten, wie der Jugendbeauftragte Tony Fiedler und offenbar auch der Internetbeauftragte Michael Münch. Wieder andere gingen nicht freiwillig, sondern wurden geschasst, so Bernd Zeise und Horst Kügler, zwei der drei für einen Parteiaufbau zuständigen DVU-„Strukturbeauftragten“. Eine weitere Gruppe arbeitet gegen Faust. Zu ihr soll vor allem der niedersächsische Landeschef Hans-Gerd Wiechmann zählen. Er hat vorgeschlagen, die Partei solle auf Hauptamtliche verzichten – was in der Konsequenz wohl das Ende von Fausts Amtszeit wäre. Für Faust legen sich öffentlich nur noch wenige DVUler ins Zeug. Eine Partei mit bundesweitem Anspruch ist aber mit dem verbliebenen Personal nicht auf die Beine zu stellen.

Fausts verbreitet nichtsdestotrotz Durchhalteparolen. Von einer Auszehrung der Partei will er nichts wissen. „Im Ganzen ist der Mitgliederbestand der DVU sogar leicht ansteigend“, erklärte er unlängst. Und er widersprach Worchs Einschätzung, die Hälfte der rund 6000 Mitglieder seien „Ehrenmitglieder“, die überhaupt keine Beiträge zahlen würden: Worch habe „keinerlei Einblick in Mitgliedsunterlagen“. Doch der Hamburger Neonazi konterte, zitierte aus dem aktuellen, noch unveröffentlichten Rechenschaftsbericht der DVU und kanzelte Faust ab. „Substanzloses Dementi und in-die-eigene-Tasche-lügen“ kenne er schon seit Jahrzehnten von der NPD. Offenbar sei die Hoffnung, „die DVU würde mit solchen Dingen transparenter umgehen“, völlig unbegründet gewesen: „Letztlich der gleiche Mechanismus wie bei der NPD. Schönreden, verschleiern, täuschen.“

Käme es jetzt zu einem Parteitag, so Worch, würde er es bezweifeln, dass Faust eine Mehrheit als Vorsitzender hinter sich hätte. Wie meist, wenn Worch das Wort ergreift, gilt: Er hat es schon lange vorher gewusst. Er habe Faust „vor ziemlich exakt drei Monaten in aller Offenheit gesagt: Reduzier’ die Personalkosten drastisch, damit Geld für strukturellen Aufbau und die Wahlkämpfe verfügbar ist. Hat er nicht hören wollen“. 8500 Euro monatlich lässt sich die DVU die Arbeit von Faust und Molau kosten. Worch setzt auf einen Wieder- oder Neuaufbau der DVU und weniger auf Kooperationsangebote an andere Parteien. „Intern und in kleinem Kreis habe ich es Dir mehrfach schon gesagt oder geschrieben: Bündnispolitik ist nutzlos, wenn man kein eigenes Profil hat und keine eigenständige politische Größe darstellt. Das hast Du bisher niemals sehen wollen“, schrieb er an Faust, der sich endlich einmal auf das konzentrieren solle, was seine eigentliche Aufgabe als Parteivorsitzender sei.

„Mehr als parteischädigend“ nennt Bremerhavens DVU-Vorsitzender Rudolf Bargmann solche Äußerungen. Ihm sei unverständlich, warum man Worch weiterhin hinter den Kulissen agieren lasse. Dabei liegt die Antwort ganz nahe. Faust ist angesichts des miserablen Zustands seiner Partei auf jemanden wie Worch angewiesen – auf jemanden, der in grammatikalisch brauchbaren Sätzen die DVU-Homepage füllen, öffentliche Auftritte organisieren und sogar mit Überbrückungskrediten aushelfen kann.

04. 02. 2010 - Tomas Sager

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