Fit gegen Nazis

Von Josephine Steffen
03.12.2009 - Die ältere Generation für die interaktive Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten qualifizieren.

Sie bilden immer noch den kleinsten Anteil an Internetnutzern. Ältere Menschen engagieren sich jedoch gleichzeitig in zunehmendem Maße für die Zivilgesellschaft. Sie zu befähigen sich sicher im Internet gegen rassistische Parolen und Umtriebe einzusetzen, nimmt sich das Projekt „Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis“ vor. Initiator des Projekts ist das Portal „netz-gegen-nazis“, das unter dem Dach der Amadeu-Antonio-Stiftung erscheint. An diesem Donnerstag wurde das Projekt „Generation 50plus“ in Berlin vorgestellt.

Eingeladen hatten dazu Anetta Kahane, die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung sowie Simone Rafael, Chefredakteurin vom „netz-gegen-nazis“. Auf dem Podium waren ferner die frühere Bundestagspräsidentin Professor Rita Süssmuth, der Sozialisationsforscher Prof. Dr. Andreas Zick von der Universität Bielefeld sowie Loring Sittler vom Zukunftsfonds der Generali Deutschland vertreten.

Allein der Begriff der „Generation 50plus“ wirft bereits Fragen auf. Anetta Kahane erzählte von vielen begeisterten Rückmeldungen auf das Angebot in Workshops mehr zum Thema „Rechtsextremismus im Internet und was kann ich tun“ zu erfahren. Doch ebenso viele fragten verwundert: „Wie? Mit 50, 55 oder auch 65 bin ich alt?“. „Doch hier handelt es sich um einen strategischen Begriff“, so der Wissenschaftler Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Dieser erlaube es wissenschaftliche Erhebungen durchzuführen und, wie in diesem Fall, Menschen dieser Altersgruppe gezielt für ein demokratisches Engagement zu gewinnen, denn „auch ältere Menschen können sich für diese Gesellschaft gewinnbringend einbringen“, so Rita Süssmuth. Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süssmuth, berichtete dabei von ihren Erfahrungen mit dem Internet und dem Engagement Älterer

Mit „Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis“ startete das Internetportal netz-gegen-nazis.de ein Pilotprojekt, das hoffentlich über die Landesgrenzen von Berlin hinaus in Zukunft eine große Breitenwirkung erreichen wird. Neben der Vermittlung von praktischem Wissen zu Themen wie „Neonazis heute – neue Aktionsformen“ und „Was ist Web 2.0 – Wie nutzen Nazis diese Angebote und wie kann man sie selber nutzen?“ legen die Projektmacher Wert darauf, ältere Menschen für den oftmals harten und wenig harmonischen direkten Dialog mit Rechtsextremen im Internet zu qualifizieren. Dafür wird ein Argumentations- und Moderationstraining angeboten, in dem sie anhand von ausgewählten Beispielen lernen wie rechtsextreme User erkennbar sind und wie man als Moderator in Chats gegen sie vorgehen kann.

Förderung des Generationendialogs

„Engagement fällt nicht vom Himmel“, betonte Loring Sittler, der Vertreter des Zukunftsfonds der Generali. Es benötigt neben Politik und Initiativen auch der finanziellen Unterstützung und so fördert sein Unternehmen langfristig dieses Projekt für eine starke Demokratie und engagierte Bürgergesellschaft. „Menschen um die 65 Jahre sind heute am besten ausgebildet und sie haben Zeit“, so Sittler. „Warum dieses Potenzial also nicht nutzen?“ Zudem sind es die Älteren, die über ihre Kinder und Enkelkinder und wiederum deren Freunde und Freundinnen Einstellungen bewusst beeinflussen. „Gelernt wird in Beziehungen“ betont auch Andreas Zick. Die 45- bis 55-Jährigen, ein Großteil von ihnen steht in einem Arbeitsverhältnis, engagieren sich in zunehmenden Maße. Sie können sich in den angebotenen Workshops umfassend informieren und dieses Wissen dann in den Betrieb tragen. Und Engagement hält fit, fanden Wissenschaftler heraus. Wer sich ehrenamtlich engagiert steigert seine Lebenszufriedenheit, was sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirkt. Fit gegen Nazis gewinnt damit eine doppelte Bedeutung.

Mit dem Projekt „Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis“ können sich auch jene engagieren, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so leicht fällt, weite Strecken zurück zulegen. Mit ihrem Computer können sie partizipieren und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. So fördert das Projekt nicht nur den Generationendialog, sondern auch die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben. Die jung gebliebenen Älteren leisten damit einen wesentlichen Beitrag in der Auseinandersetzung mit der rechtsextremen Szene, die über das Internet, Musik und Veranstaltungen immer aggressiver um die Köpfe und Herzen der Menschen wirbt.

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