Dresden wehrt sich

Von Helmut Lölhöffel
15.02.2010 - Der 13. Februar 2010 in Dresden hat ein Zeichen gegen Geschichtsverdrehung und Intoleranz gesetzt.

Am 65. Jahrestag der Zerstörung Dresdens hat die sächsische Landeshauptstadt gegen den Missbrauch dieses Gedenktags durch Neonazis und andere Rechtsextreme Gesicht gezeigt. Ein von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland angemeldeter „Trauermarsch“ wurde durch massive und geschickte Straßenblockaden linker Gegendemonstranten verhindert. Die Polizei verzichtete darauf, den gerichtlich genehmigten Großaufmarsch der Rechten durchdrücken. Der überwiegend friedliche Ablauf dieses Tages belegt: Mit Entschlossenheit, Besonnenheit und gutem Willen lassen sich rechtsextreme Provokationen abwehren.

In Dresden standen sich diesmal gegenüber: Etwa 6400 Rechtsextreme, rund 10 000 Gegendemonstranten aus dem linken antifaschistischen Spektrum, 6000 bis 8000 Polizeibeamte und mehr als 10 000 Dresdner, die sich an der Menschenkette und an Friedensgebeten beteiligten. Die imposante Menschenkette wurde von der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) als „Festung gegen Intoleranz und Dummheit“ gerühmt, und in einer Ansprache rief sie den nach Dresden drängenden Rechtsextremen zu: „Diese Bande gehört nicht hierher.“ Zur Verhinderung des Nazi-Schaulaufens trug die Menschenkette, in die sich auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) einreihte, zwar nicht bei, sie lieferte aber symbolische Bilder für die Gegenwehr.

Die Nazigegner hatten doppelten Erfolg, den sie bei einem abendlichen Freudenfest und in linken Medien als „großen Tag für die antifaschistische Bewegung“ gehörig bejubelten: „Am Ende waren wir siegreich.“ Denn sie konnten die Ankunft der erwarteten 8000 Rechtsextremen erheblich verzögern und schließlich den Rechten-Aufmarsch ganz vereiteln. Dass dies alles ins allem einigermaßen friedlich gelang, ist ebenfalls erfreulich. Flaschen- und Steinewürfe von beiden Seiten, Übergriffe rechtsextremer Schläger, Rangeleien und stellenweise eskalierendes Vorgehen der Polizei, die bei der Eiseskälte sogar Wasserwerfer einsetzte, blieben insgesamt Randereignisse, sodass die Berichterstattung der meisten Medien diesmal nicht von Krawallen Autonomer bestimmt war.

Stattdessen machten Rechtsextreme ihrem Frust über den von ihnen als schmachvolle Niederlage empfundenen Ausgang dieses Tages gewaltsam Luft. In Pirna warfen sie die Scheiben des SPD-Bürgerbüros ein. Und in Gera versuchten sie sich erneut zu sammeln, was die Polizei rasch beendete.

Der 13. Februar 2010 in Dresden hat ein Zeichen gegen Geschichtsverdrehung und Intoleranz gesetzt.

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