Schon zwei Tage nach seiner Wahl zum polnischen Staatspräsidenten hat Lech Kaczynski zurück gerudert. Vor der eilends eingeladenen Auslandspresse wehrte er sich gegen den Vorwurf, deutschfeindlich zu sein. Im Gegenteil sei er davon überzeugt, dass sich die bilateralen Beziehungen „weiter fruchtbar entwickeln werden“. Während des Wahlkampfes hatte das schriller geklungen. Auch andere Parolen dürfte er nicht wiederholen, wie zum Beispiel die Todesstrafe, mehr Gefängnisse, härtere Strafen und Entschädigungsforderungen von Berlin.
In einem Punkt dürfte er wohl kaum einen Millimeter zurück weichen: Beim „Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin, das der antiquierte Bund der Vertriebenen haben will. CDU-Prominenz scheint den Krampf unterstützt zu haben. Das galt beispielsweise für Angela Merkel, als sie noch nicht Regierungsverantwortung trug. Nun sollte sie ihre Position noch einmal überprüfen. Denn mit Lech Kaczynski ist darüber nicht zu reden – aus gutem Grund übrigens.
Aus dem Bundespräsidialamt weiß man, dass dort ein solches Zentrum in Wroclaw (früher Breslau) Unterstützung findet. Hier könnte der Kompromiss liegen, nicht aber mit Berlin als Standort. Schließlich sind nicht nur Deutsche vertrieben worden, sondern auch Millionen Polen. Sie mussten ihre westliche Heimat auf deutschen Befehl verlassen und später ihre ostpolnische, weil die UdSSR diese Gebiete haben wollte und dafür Polen die ehemaligen ostdeutschen Provinzen bekam.
Die Vertreibung der Deutschen haben Deutsche selbst bewirkt. Nicht jene Menschen, die 1945 gehen mussten, sondern Hitler und seine Leute. Aber das waren bekanntlich auch Deutsche, während die Polen nichts für ihre Vertreibung konnten. Sie waren mal wieder der Ball, mit dem die Großmächte spielten. Es geht hier weniger um Täter und Opfer. Es geht vielmehr um Historie. Wer wurde warum von wem von wo nach wohin vertrieben? Das Zentrum soll schildern und zugleich warnen. Dagegen kann auch der neue polnische Staatspräsident nichts einzuwenden haben. Bei einem solchen Zentrum in Berlin würde er aber nicht nur nicht mittun, er würde heftig protestieren – auch in den Gremien der EU und er hätte Recht. Das sollten die künftigen Koalitionäre in Berlin bei ihren Beratungen bedenken.
