Braune Schutztruppe

In Sachsen formiert sich derzeit ein neuer „Ordnerdienst“ − beim geplanten Neonazi-Aufmarsch am 13.Februar in Dresden soll er zum ersten Mal zum Einsatz kommen.

Als der bekannte Geschichtsrevisionist Olaf Rose in der vergangenen Woche in Dresden seine Koffer packte und umzog, wurde er von einer kleinen Truppe bekannter Neonazis begleitet. Unter ihnen der NPD-Stadtrat Maik Scheffler (Delitzsch), der sächsische JN-Chef Tommy Naumann (Leipzig) und der ehemalige Landesorganisationsleiter der NPD Sachsen-Anhalt, Markus Großmann (Sotterhausen). Zusammen mit weiteren vermummten Neonazis beobachteten sie den Umzug und sicherten das Umfeld ab. Dies verwundert kaum, baut das Dreiergespann doch seit mehreren Monaten im Verborgenen einen neuen Ordnerdienst auf.

Das „Freie Netz“ erweist sich als perfekte Rekrutierungsstruktur

Mit mehr als 100 Ordnern will die neue Truppe am 13. Februar in Dresden ihren Einstand geben und den Neonazi-Aufmarsch absichern. Dabei soll sie unter anderem Verstöße in den eigenen Reihen ahnden (die Organisatoren des „Gedenkmarsches“ haben für ihre Gesinnungskameraden ein Regelwerk zum Verhalten in Dresden aufgestellt), potenzielle Störer fernhalten und die Neonazis zusammenhalten. Für diese Aufgabe wurden einige bekannte Altkader konsultiert. So den wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilten Neonazi Thomas Sattelberg und den Chef für die Sicherheit der NPD-Landtagsfraktion Klaus Wartenfelser. Beide sind seit Jahren in der Szene aktiv und verfügen durch ihre politische Sozialisation über das Potenzial, den neuen Ordnerdienst zu beraten und beim Aufbau zu unterstützen. So war Sattelberg sowohl in der 1994 bundesweit verbotenen „Wiking-Jugend“ als auch in der Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“ tätig, die 2001 vom sächsischen Innenminister verboten wurde. Wartenfelser sammelte als Chef des NPD-Ordnungsdienstes im Saarland und als „Personenschützer“ von Peter Marx Erfahrungen.

Um im Vorfeld des Dresdner „Gedenkmarsches“ die Ordner benennen zu können, muss auf eine existierende und gut funktionierende Struktur zurückgegriffen werden. Hierbei erweist sich das „Freie Netz“ (FN) als perfekte Rekrutierungsstruktur.

Das FN ist ein Netzwerk so genannter „Freier Kräfte“ und setzt sich aus Anhängern aller neonazistischen Spektren zusammen. Unter der Losung „Freiheitliches Fühlen − Völkisches Denken − Sozialistisches Handeln“ treten die Neonazis in Sachsen und Ostthüringen auf. Ein Ableger des FN entstand in Bayern unter Führung von Tony Gentsch (Hof) und Matthias Fischer (Mittelfranken).

Truppführer koordinieren auf regionaler Ebene kleine Gruppen

Dabei kommt es offenbar sehr gelegen, dass sowohl Maik Scheffler (FN Nordsachsen) als auch Tommy Naumann gute Kontakte in das Spektrum haben. Aber auch Markus Großmann machte schon im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam. Er war „Medienbeauftragter“ im zentralen Wahlkampffahrzeug der NPD und reiste mit dem Parteichef Udo Voigt durch Deutschland.

Die Neonazis aus dem Umfeld des FN haben in der Vergangenheit schon auf diversen Veranstaltungen als Ordner fungiert. Wie ein Insider berichtet, werden die Ordner am 13. Februar in einzelne „Trupps“ gegliedert. In Zukunft sollen so genannte „Truppführer“ − meist Kader aus NPD und FN-Kreisen − auf regionaler Ebene kleine Gruppen zusammenstellen und diese koordinieren. Als „Truppführer“ treten zum Beispiel Manuel Tripp (Geithain) und Isztvan Repaczki (Leipzig) auf. Tripp ist parteiloser Stadtrat in Geithain und meldete 2008 eine Demonstration unter dem Motto „Revolution ist machbar“ an. Repaczki trat erstmals 2007 während einer Demonstration gegen „Kinderschänder“ an die Öffentlichkeit und kandidierte 2009 für die NPD zur Stadtratswahl in Leipzig.

Inwieweit der neue „Ordnerdienst“ auch auf Bundesebene in Erscheinung treten wird, ist bisher unklar. Fakt ist, dass die NPD und die „Freien Kräfte“ mit der neuen Struktur ihre Vernetzung ausbauen und in Zukunft auf eine geschulte und gehorsame Truppe zurückgreifen können. Hier sollte wohl jetzt auch die Landesregierung in Sachsen tätig werden, die im vergangenen Jahr in ihrer Antwort auf eine „Große Anfrage“ zum Thema „Extreme Rechte“ − trotz expliziter Nachfrage − das „Freie Netz“ nicht einmal erwähnte.

25. 01. 2010 - Maik Baumgärtner/Falk Scheerschmidt

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