Braune Pilger
Zufall oder nicht? Am Samstag, den 3. Oktober, dem offiziellen Tag der Wiedervereinigung, besichtigten mindestens drei Gruppen von Neonazis die größte Naturattraktion Nordrhein-Westfalens: die Externsteine. Die markante Felsformation im Teutoburger Wald zieht insbesondere zur Walpurgisnacht und zu den Sonnenwenden Esoteriker und heidnische Gruppen an. Auch ist immer wieder von angeblichen „schwarzen Messen“ an den Steinen die Rede.
Im Dritten Reich gehörten die Externsteine in Ostwestfalen wie auch der Sachsenhain in Niedersachsen zu den stilisierten germanischen Kultstätten. Neonazis verknüpfen eine Reise nach Detmold oft mit Besuchen des Hermannsdenkmals oder der geplanten SS-Schulungsstätte Wewelsburg bei Paderborn. Auch die kleine sächsische Abordnung von Neonazis in Militärklamotten, die am Samstag zunächst zum Cheruskerdenkmal hoch kletterte, dort mit einem tschechischen Kameraden die sudetendeutsche Fahne in die Kameras hielt und sich während des Marsches zu den Steinen mit Portwein amüsierte, gehört zu den braunen Pilgern. Etwas gelangweilt dagegen wirkten die rund 30 Autonomen Nationalisten (AN) aus Teltow-Fläming und Plön, die mit VW-Bullis angereist waren. In schwarzer Kleidung erklommen sie die Felsen, immer im Blickfeld der Detmolder Polizei, die von ängstlichen Besuchern informiert worden waren. Auch die als Lifestyle-Fetischisten in den eigenen Reihen verschrieenen „nationalen Partisanen“ scheinen sich inzwischen zunehmend mit Brauchtum und nationaler Identität auseinanderzusetzen.
Strammer hielten es dagegen die Insassen eines Reisebusses aus Hessen unter Führung des mehrfach verurteilten, ehemaligen Rechtsanwalts Manfred Roeder. Der 80-jährige Holocaust-Leugner zog in roten Sportschuhen und mit zwei Wanderstöcken eilig voran. Ihm folgten unter anderem der Marburger NPD-Funktionär Rainer Mauersberger sowie zwei britische Kameraden. Die große Gruppe von alten und jungen Rechtsextremisten wurde nach Polizeiangaben auf der Fahrt zwischen Hermannsdenkmal und Externsteinen von den AN begleitet. Auf den Felsen zückten dann auch Anti-Antifa-Fotografen wie Michael Brumme von den „Freien Kräften Teltow-Fläming“ ihre Kameras. Roeder dagegen begnügte sich nicht mit dem Abfotografieren anwesender Pressevertreter, er ging mit Kameraden und Stöcken wütend auf sie los.
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