† Zum Tod von Heiner Lichtenstein

Von Helmut Lölhöffel
06.07.2010 - Unser historisches Gewissen

Der bnr-Hintergrundbericht „Arier-Nachweis für Studenten“ ist ein typisches Beispiel für die Arbeitsweise unseres langjährigen Autoren Heiner Lichtenstein: prall gefüllt mit historischem Wissen, präzise eingeordnet, aktuell aufbereitet, verstehbar formuliert und eindeutig Stellung beziehend. Es ist der letzte Artikel, den Heiner Lichtenstein für den „blick nach rechts“ verfasst hat – wenige Tage vor seinem Tod am 4. Juli 2010.

Der vor 78 Jahren in Chemnitz geborene Heiner Lichtenstein war mit Leib und Seele Journalist. Akribisch, engagiert und empört begleitete er als Reporter sein halbes Leben lang NS-Prozesse im In- und Ausland, von 1961 bis 1995 war er politischer Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk. Seinem Spezialgebiet – der Geschichte des Nationalsozialismus, der Aufarbeitung des Holocaust und der Beobachtung der fortlebenden rechtsextremen Organisationen – blieb er auch im Ruhestand treu. Regelmäßig schrieb er für den „blick nach rechts“ und bereicherte mit seinen weit reichenden Kenntnissen unseren Informationsdienst wie kein anderer. Zahlreiche Bücher und Broschüren hat er veröffentlicht. Er gehörte dem Vorstand des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie an. Für sein Lebenswerk erhielt er den Leo-Baeck-Preis, die Josef-Neuberger-Medaille und den Giesberts-Lewin-Preis.

Heiner Lichtenstein hatte noch viel vor. Am Ende seines Artikels über den „Arier-Nachweis für Studenten“ kündigte er „in den nächsten Wochen“ weitere Berichte zu den Nürnberger Rassegesetzen an, die vor 75 Jahren jüdisches Leben in Deutschland beendeten. Die Lücke, die unser Autor Heiner Lichtenstein, das historische Gewissen des bnr, hinterlässt, ist nicht zu füllen. Wir erinnern uns an einen aufrechten und geradlinigen Journalisten, an einen toleranten und liebenswürdigen Menschen.

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