„Heimattreue“ Medienoffensive

In Mecklenburg-Vorpommern versuchen sich seit einigen Wochen, neue neonazistische Internetprojekte zu etablieren. Mit den Projekten sollen vor allem Jugendliche geködert werden. Bestehende konspirative Netzwerke sind weiter aktiv und werden ausgebaut.

Bisher nutzten freie Kameradschaften und andere neonazistische Gruppen in Mecklenburg-Vorpommern das Internet für eigene Veröffentlichungen eher selten. Für den größten Informationsfluss sorgte in den vergangenen Jahren hauptsächlich die Landtagsfraktion der NPD. Das hat sich nun, zumindest augenscheinlich, geändert. Denn um den Jahreswechsel herum, gingen gleich mehrere neue Internetseiten online. Dabei scheinen vor allem die Projekte „MUPINFO“ und die Netzwerkseite „Freies Pommern“ besonders aktiv und auf ein junges Publikum zugeschnitten zu sein.

Kader der verbotenen „Mecklenburgischen Aktionsfront“

„MUPINFO“ liefert laut eigenen Angaben „Nachrichten für Mecklenburg und Pommern“ und wird derzeit von fünf Autoren betreut. Von 80 Blogeinträgen im Januar dieses Jahres beschäftigten sich tatsächlich rund 40 mit regionalen Themen, wobei ein Großteil der Texte von der NPD übernommene Pressemitteilungen darstellten. Zu den Autoren zählt bisher der Lübecker Neonazi-Aktivist Jörn Gronemann, der mit seiner Firma „Asgard Gestaltung“ seinen Lebensunterhalt als Mediengestalter verdient und Michael Fischer, ein Vertreter der „Freien Kräfte“ aus Rostock. Die Vermutung, dass es sich bei „MUPINFO“ um einen Versuch der NPD handelt, sich ein pseudoobjektives eigenes Nachrichtenportal aufzubauen, wird durch den Anmelder der Internetseite David Petereit bestärkt. Petereit ist nicht nur stellvertretender NPD-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, sondern gilt auch als einer der führenden Köpfe der dortigen Kameradschaftsszene. Er galt auch als wichtiger Kader der im Mai 2009 verbotenen neonazistischen Kameradschaft „Mecklenburgische Aktionsfront“. Zudem war er in der ebenfalls verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) aktiv. Petereit zeichnet auch für die Homepage des völkischen „Levensboom“-Versandes verantwortlich, dort wurde unter anderem die Musik der HDJ vertrieben.

„Dachverband“ für Kameradschaften in Pommern

Neben „MUPINFO“ existiert seit Ende Januar auch die Internetseite „Freies Pommern“. Verantwortlich für die neue Seite, die unter dem Slogan „Pommern im Herzen − Deutschland im Sinn!“ wirbt, zeichnet der NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller. Von anderen Seiten wird „Freies Pommern“ als „Dachverband“ bezeichnet, der „alle Kameradschaften und anderen Gruppierungen in Pommern“ bündeln soll. Die Idee dahinter ist nicht neu, denn Müller galt als Drahtzieher des „Sozialen und Nationalen Bündnis Pommern“ (SNBP), ein äußerst konspirativ agierendes Netzwerk freier Kameradschaften aus „Pommern“. Die alte SNBP-Domain leitet jetzt auf „Freies Pommern“ weiter, wo die alte Arbeit unter neuen Namen und mit modernerem Anstrich weitergeführt wird. Müller war nicht nur ebenfalls Anhänger der HDJ, sondern gemeinsam mit seiner Frau auch Gründer des „Heimatbundes Pommern“, einer weiteren völkischen Kulturorganisation.

Doch auch auf lokaler Ebene versuchen Neonazis, neue jugendkompatible Akzente zu setzen. Seit Anfang Januar betreiben die „Nationalen Sozialisten Greifswald“ ebenfalls eine neue Internetseite. Eines haben alle drei Internetseiten gemeinsam: Hinter der Umsetzung stecken langjährig aktive Kader des nationalistisch-völkisch geprägten Kameradschaftsspektrums. So verwenden die „Nationalen Sozialisten Greifswald“ als Kontaktanschrift das selbe Postfach wie „Der Greifswalder Bote“, ein Blatt aus dem Umfeld der NPD. Für das schwarz-weiß kopierte „Mitteilungsblatt“ zeichnete in der Vergangenheit unter anderem der NPD-Aktivist Mario Kannenberg verantwortlich − auch Kannenberg war Aktivist der HDJ.

Eine regionale Alternative zu „Altermedia“

Ebenso wie ehemalige HDJ-Anhänger in Hessen und Niedersachsen (Volksfront-Medien) scheinen die Heimattreuen aus Vorpommern mit eigenen Medienportalen vor allem Jugendliche ködern zu wollen. Auch das Radio Germania wird zum Teil von Ex-HDJlern mitbetrieben.

Vor allem „MUPINFO“ erweckt den Anschein, eine regionale Alternative zum größten deutschsprachigen Neonazi-Infoportal „Altermedia“ werden zu wollen. Jüngst veröffentlichte „Altermedia“ einen Beitrag, in dem das „Verhältnis“ zur NPD-Landtagsfraktion als „nicht besonders herzlich“ beschrieben wurde. Es scheint, als ob Petereit und Müller den für sie unberechenbaren Machern von „Altermedia“ nicht das Feld überlassen wollen. Eines ist jedoch klar: Die alten Netzwerke der HDJ sind weiterhin tätig.

08. 02. 2010 - Maik Baumgärtner

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