„Eine Herzenssache“

Von Josephine Steffen
05.11.2009 - Antisemitismus in unserer Gesellschaft geht jeden etwas an.

„Vor dem Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher.“ Mit diesem Satz beschreibt die Philosophin Hannah Arendt einen einfachen Tatbestand: Antisemitismus ist stets gegenwärtig und auch in der Mitte unserer Gesellschaft zu finden. Das aufzuzeigen und dagegen anzugehen, ist die Absicht der Aktionswochen gegen Antisemitismus, die nunmehr zum sechsten Mal, stattfinden. Zum Auftakt lud die Amadeu Antonio Stiftung am Donnerstag zu einem Pressegespräch mit der Juso-Bundesvorsitzenden Franziska Drohsel, der Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes Claudia Schmidt, Dirk von Lowtzow und Jan Jetter ein.

Um den 9. November finden somit rund 231 Veranstaltungen an 75 Orten statt, darunter Lesungen, Diskussionen oder Theater- und Filmvorführungen. So bietet der Sportverein Roter Stern Nordost Berlin e.V. einen Vortrag zum Thema „Antisemitismus im ostdeutschen Fußball“, die Evangelische Kirche Sterkrade in Oberhausen führt das Theaterstück „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ auf und die „Gruppe Gedenkmarsch“ in Leipzig lädt dazu ein, gemeinsam im Gedenken an die Reichspogrome vom November 1938 Stolpersteine zu putzen.

So vielfältig die Aktionen und Ideen, so verschieden äußert sich auch Antisemitismus im Alltag. So fallen Propagandadelikte wie die Leugnung des Holocausts oder Hakenkreuz-Schmierereien wie neuerlich in Eschwege ebenso darunter wie eindeutige Gewaltdelikte.

Erst Ende Oktober wurde eine Gruppe von israelischen Jugendlichen in Waren an der Müritz von Neonazis mit einem Messer und Schlagstock bedroht und eingeschüchtert. Claudia Schmidt, Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes, wies während der heutigen Pressekonferenz in Berlin zu den Aktionswochen darauf hin, „dass kaum ein Deliktsfeld über ein so breit gefächertes Täterpotenzial verfüge“.

Und so ist es auch für Dirk von Lowtzow eine „Herzenssache“, Antisemiten und Rechtsextremen die „Suppe kräftig zu versalzen“. Der Sänger der Band „Tocotronic“ unterstützt die Aktionswochen mit dem Ziel, deutlich zu machen, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft jeden etwas angeht. Jan Jetter von der Gemeinschaft freier Jugendverbände Hamburg wies zudem darauf hin, dass es bei diesen Veranstaltung vor allem darauf ankomme, den Blick für Antisemitisches zu schärfen und jenen den Rücken zu stärken, die sich tagtäglich gegen Vorurteile und Fremdenhass engagieren.

2009, zum 71. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, soll daher der Fokus weniger auf der klassischen Gedenkarbeit liegen, sondern vielmehr auf der direkten Beteiligung von Teilnehmern und Besuchern in Workshops und Diskussionen.

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