„Die Jungen setzen unsere Arbeit fort“

Von Josephine Steffen
19.01.2010 - Achtes Jugendform denk!mal im Berliner Abgeordnetenhaus − Jugendliche als Zeitzeugen.

„Wir bauen euch kein Denkmal aus kaltem Stein/ Wir bauen euch ein neues Deutschland und das soll unser sein!“, so sagte es ein kleiner Junge von der Grundschule am Wilhelmsberg. Er und viele hunderte Jugendliche aus Berlin beteiligten sich am nunmehr achten Jugendforum denk!mal unter dem Motto „Ich bin Zeuge meiner Zeit“. Am Montag fand im Abgeordnetenhaus Berlin die Abschlussveranstaltung statt.

Mit dem Jugendforum denk!mal ruft das Abgeordnetenhaus Berlin jedes Jahr Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr dazu auf, sich Gedanken zu Vergangenem zu machen, die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges zu recherchieren und künstlerisch zu verarbeiten, zu fragen und genauer hinzusehen, wo und wie Unrecht, Ausgrenzung und Rassismus heute geschehen.

Neben den zahlreichen Jugendlichen waren u.a. Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Walter Momper, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, und die Vertreter der Fraktionen des Abgeordnetenhauses anwesend. Momper, der die Veranstaltung mit einem kurzen Grußwort einleitete, verwies auf die Bedeutung eines stetigen Engagements für die Demokratie: „Freiheit und eine tolerante Gesellschaft müssen immer wieder neu erkämpft werden".

Der Mut einer Berliner Familie

Mit diesen Worten im Ohr begann die Präsentation der einzelner Projekte, darunter das Theaterprojekt „Du Held!“ des Roma Jugendvereins Amaro Drom e.V., das die Problematik ansprach, in Deutschland als gleichberechtigt anerkannt und vor Abschiebung und Ausgrenzung geschützt zu werden. Ein anderes Projekt betrachtete das Grauen im KZ Sachsenhausen auf ungewöhnliche Weise. Deutsche und polnische Jugendliche kamen in der Gedenkstätte zusammen und erarbeiteten gemeinsam unter Anleitung von Historikern, Pädagogen und Künstlern einen Comic, der das Erlebte und Erfahrene reflektiert. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war neben den kreativen und mit viel Herzblut umgesetzten Projekten der Jugendlichen der Auftritt Max Mannheimers, Überlebender von Theresienstadt, Auschwitz und Dachau. Er bedankte sich bei den anwesenden jungen Menschen, denn die „Reihen lichten sich“ und die „Jungen setzen unsere Arbeit fort“.

Ein Projekt des Jugendforums wurde an diesem Abend auf der Bühne nicht vorgestellt und verdient dennoch einer Erwähnung: Die Schüler der Klasse 11b des Manfred-von-Ardenne-Gymnasiums stießen während der Vorbereitungen zum Holocaust-Gedenktag 2009 auf eine ganz besondere und bislang nie erzählte Geschichte. Es handelt sich dabei um jene der Bäcker-Familie Hildebrandt. Elsa und Otto Hildebrandt versteckten in ihrem Keller in der Simon-Bolivar-Straße 5 während der Nazi-Herrschaft dreizehn jüdische Menschen und riskierten damit mehrere Male ihr Leben. Nur durch einen Zufall erfuhr Brigitte Hennemuth von dieser Aktion. Sie war eines von neun Pflegekindern, die die Hildebrandts aufnahmen und für ihre Ausbildung sorgten, und sie war es auch, die diese Geschichte den jungen Menschen berichtete. Die Schüler sammeln seit geraumer Zeit Spenden, um mit einer Gedenktafel an den Mut dieser Berliner Familie zu erinnern.

 

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