„Den Vorführsaal zerstören“
Beide Drohschreiben beginnen mit der höflichen Anrede: „Sehr geehrte Damen und Herren!" Dann wird es ernster, im Brief vom März 2010 wurde davor gewarnt, weiterhin „Filme über die Krankheit Homosexualität und das verbrecherische Judentum“ in Bremen-Walle zu zeigen. Der Verfasser, droht an, bei Nichtunterlassung „geeignete Maßnahmen“ zu ergreifen, „um dieses schändliche Treiben schnell und dauerhaft zu unterbinden“.
Vor kurzem kam dann das zweite Schreiben, aufgegeben in einem niedersächsischen Briefzentrum, diesmal lapidar mit einem Nachnamen und dem Zusatz „SVAP“ unterzeichnet. Darin wurde vermeldet, dass die „Warnung“ nicht beachtet worden sei, und nun sei es so weit, „Kinoraum und Vorführsaal zu zerstören“. Als Zeitraum wurde die Woche vom 2. bis zum 8. August angekündigt.
„Zynischerweise soll die Warnung an uns Personenschäden vermeiden helfen", berichtet Betreiber Karl-Heinz Schmid einem Kreis von Mitgliedern des „Kino 46“, und fordert zum verstärkten Besuch der kommenden Vorführungen auf. Die Polizei ist eingeschaltet, es seien „angemessene Vorsichtsmaßnahmen“ ergriffen worden, heißt es. Natürlich werde man weder die Programmgestaltung ändern, so Schmid, noch das Kino freiwillig räumen.
Ob ein Einzeltäter oder eine Gruppe dahinter stecke, sei „reine Spekulation“, erklärt der Sprecher der Bremer Polizei Dirk Siemering gegenüber dem „Weser-Kurier“. Schmid allerdings fällt auf, dass die Drohbriefe durchaus eine gewisse Kenntnis über Abläufe und Programm des „Kino 46“ offenbarten. Der Schreiber könne sich demnach in Bremen auskennen.
Während der eine Brief mit einem „Hochachtungsvoll“ endete, hieß es im anderen zum Schluss fehlerhaft: „Mit deutschen Gruß“ (Schreibfehler im Original). (ar)
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