„Anne Frank - Eine Geschichte für heute“

Von Josephine Steffen
09.11.2009 - Vor vierzehn Jahren war diese Ausstellung über das kurze Leben der Anne Frank zum ersten Mal in Berlin-Spandau zu sehen. In diesem Jahr wäre Anne Frank achtzig Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass und weil ihre Geschichte nie an Aktualität verliert, kommt dieDokumentation nun wieder in die Berliner Bezirke. Am vergangenen Donnerstag wurde sie in der Zitadelle Spandau eröffnet.

Ein Gewusel aus kleineren und größeren Kindern kommt demjenigen entgegen, der die kargen weißen Räume des Hauses 6 der Zitadelle in Berlin-Spandau betritt. Sie gehören zur Musikschule Spandau und sollen die Besucher der Eröffnung musikalisch durch den Abend begleiten. Neben den Kleinen waren es vor allem viele Jugendliche zwischen dreizehn und achtzehn Jahren, die mit Eltern, Freunden und Bekannten ungeduldig auf die Eröffnung warteten.

„Die Jugendlichen gehören zu unserem Konzept. Sie sollen den Kindern und anderen Jugendlichen das Leben der Anne Frank ohne Verschulung und Zahlen näher bringen“, so Uli Funk, Leiter des Kulturhaus Spandau und rühriger Kümmerer um das Andenken und Gedenken an Anne Frank. Es sind insgesamt vierundzwanzig an der Zahl, die sich bereit erklärten, nach einer kurzen Schulung, die Besucher durch den großen Ausstellungssaal zu führen. „Zuhause reden wir über dieses Thema gar nicht“, berichtet die junge Amina Ouazze, eine der teilnehmenden Jugendlichen, in einer kurzen Rede zu der Eröffnung. Viele Eltern hätten Sorge davor, ihre Kinder mit den grausamen Taten dieser Zeit zu konfrontieren. Da wird lieber geschwiegen und in der Schule sind es vor allem historische Fakten, die die Kinder lernen.

Mit dieser Ausstellung wird es anders sein. Jung und Alt werden nicht erschlagen von Schautafeln, Ausstellungsstücken und langen Erklärungen. Sie sehen Bilder. Bilder einer lachenden kleinen Anne, Bilder von Freundinnen, Bilder einer glücklichen Familie. Der Vater, Otto Frank, überlebte als Einziger. Er war es, der der Nachwelt Annes Tagebücher überlieferte und viele der Fotos stammen von ihm, einem begeisterten Hobbyfotografen. Natürlich wird auch das Haus gezeigt, in dem Anne, ihre Schwester, die Eltern und andere Untergetauchte fünfundzwanzig Monate lebten und am Ende verraten wurden.

Was die Ausstellung noch zu einem eindrucksvollen Erlebnis macht, ist eine Gruppe von Schautafeln am Rande. Darauf, Bilder von Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung aus der ganzen Welt, die eine Frage beantworten: „Was bedeutet dies für die Menschen heute?“ Aus ihren Antworten und den kurzen Geschichten anderer junger und alter Menschen ist immer wieder heraus zu lesen, dass Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt absolut gegenwärtig sind und das es ein Gebot der Menschlichkeit ist, nicht wegzusehen, wenn sie einem selbst oder einem anderen begegnen.

„Gerade weil ich jung bin, muss ich erfahren, was geschehen ist“, sagt Amina Ouzza. Die Ausstellung „Anne Frank - Eine Geschichte für heute“ bietet allen Interessierten noch bis zum 18. Dezember 2009 dazu die Gelegenheit.
 

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