29.11.2001 - In Köln beginnt in wenigen Tagen das erste Kolloquium zum Thema "Museen im Zwielicht – Ankaufspolitik 1933 – 45". Es geht um die Frage, wie deutsche Museen im "Dritten Reich" ihre Bestände "erweitert" haben. Bisher wird dieser Frage nur in Köln, Berlin, Stuttgart, Hamburg, München und Bremen nachgegangen. Alle anderen Museen wollen das Problem offenbar aussitzen und auf diese krumme Tour während der Nazizeit geklaute Schätze behalten. Sie sollen jetzt gesetzlich unterstützt werden – durch Änderung des Schuldrechts. Danach soll Kunstraub nach 30 Jahren verjähren, also nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden können. Diebe könnten dann Picassos, Rembrandts oder van Goghs, die sie Anfang 1972 geklaut haben, im nächsten Jahr auf Versteigerung anbieten oder ins Wohnzimmer hängen, ohne etwas befürchten zu müssen. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist nicht weniger befremdlich. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges haben Siegerstaaten in deutschen Sammlungen und Museen gewildert und geraubt. Bei weitem nicht so skrupellos wie zuvor die Deutschen, aber immerhin. Wie sollen deutsche Museumsdirektoren 56 Jahre nach dem Diebstahl auf Rückgabe drängen, wenn hier zu Lande schon nach 30 Jahren alles vergeben und vergessen ist? Der von Juristen "Modernisierung des Schuldrechts" genannte Freibrief beraubt Deutschland jeder moralischen Basis, Beutekunst zurückzufordern.