15.11.2001 - Die Zeiten ändern sich. Manchmal ganz schnell. Das kann mit historischen Zäsuren wie 1989 zusammenhängen, das kann mit Jahrestagen in Verbindung stehen. Immer jedoch ist es eine Frage der Perspektive. Der steht mit dem 28. November ein grundlegender Wandel bevor: Wenn die Wehrmachtsausstellung an diesem Tag nach der selbst verordneten Umgestaltung wieder zu sehen sein wird, mag es auch wieder wütende Aufschreie geben, doch jenseits des früheren Gezeters könnte es jetzt um die Ausstellung selbst und nicht mehr allein um persönliche Verletztheiten, politische Korrektheiten und ideologische Verbohrtheiten gehen.Ursprünglich hatten die Macher der Ausstellung am Hamburger Institut für Sozialforschung die Dokumentation der Verbrechen der Wehrmacht zwischen 1941 und 1944 pünktlich zum 50. Jahrestag des Kriegsendes platziert. Sie rechneten mit dem Aufschrei alter Männer, junger Rechter und um ihre politische Existenz ringender Populisten. Und sie wehrten die Kritik der Kritiker, etwa im Zusammenhang mit der falschen Zuordnung von Bildern, in einer Weise ab, die schließlich zu einem vom Institutschef Jan Philipp Reemtsma eingeräumten Problem der Glaubwürdigkeit führte. Reemtsma setzte auf einen neuen Start, zog die umstrittene Ausstellung einstweilen aus dem Verkehr und ließ sie gerade im Hinblick auf unterschiedliche Verbrechenstypen wie Völkermord, Hungerpolitik und Partisanenkrieg neu gestalten.