03.10.2001 - Am 10. November 1938 höhnte das Leipziger Naziblatt "Tages-Zeitung": "Die Synagoge und das Bethaus waren nicht die einzigen Tempel, die die Volkswut vernichtete. Überall, wo sich die Itzigs mit ihren Thora-Büchern eingenistet haben, loderten die Flammen. Auch die Kapelle auf dem israelischen Friedhof fing Feuer." Die Ereignisse der Pogromnacht sind bekannt, aber das Zitat illustriert, was die Betroffenen am meisten entsetzte und viele zu Nacht- und Nebel-Fluchten ins Exil trieb – das irrwitzige Motiv, den pathologischen Hass gegen alles Jüdische. "Es waren nicht die Schmerzen durch Fausthiebe", berichtete einer, der zur Eröffnung des Jüdischen Museums zum ersten Mal seit 1938 wieder nach Deutschland gekommen war. "Es waren nicht die Wunden durch die überall herumfliegenden Glassplitter, sondern das feindselige Funkeln in den Augen, die hassverzerrten Gesichter der SA-Leute, darunter mancher Nachbarn und Skatbrüder, die uns bis ins Mark erzittern und erkennen ließen: Mit diesen Leuten kann man nicht wieder normal zusammenleben."