NPD als „Anwältin“ des Mittelstandes

Von Andrea Röpke
24.01.2012 -

In der mecklenburgischen Kleinstadt Lübtheen besitzen Udo Pastörs und Gefolgsleute inzwischen eine Reihe von Immobilien – mit „populären“ Themen treiben die selbst ernannten braunen „Kümmerer“ ihre kommunale Verankerung voran.

NPD-Bürgerbüro in Lübtheen; Photo: A.R.

Der Ortskern der Stadt Lübtheen gerät immer weiter in die Hände von Rechtsextremisten. Seit Herbst 2006 betreibt die NPD in einem Haus in der Rudolf-Breitscheid-Straße ihr Bürgerbüro. Vormals hatte dort Udo Pastörs, Fraktionschef der NPD im Schweriner Landtag, ein Schmuck- und Uhrengeschäft betrieben. Jetzt gehört ein weiteres Haus, gleich um die Ecke, Marianne Pastörs, die für die NPD im Stadtrat sitzt. Gerüchten zufolge soll in dem Gebäude das Parteiarchiv sowie ein Büro für den Kreisvorsitzenden Andreas Theißen, ebenfalls Neusiedler, entstehen.

Gleich nebenan hat der Schwiegersohn der Pastörs’, ein selbstständiger Softwareentwickler, 2011 ein weiteres Haus am Ernst-Thälmann-Platz erworben. Neben einem Frisörgeschäft sollen dort Wohnungen geschaffen werden, heißt es in der Lindenstadt. Auch in dem angrenzenden ehemaligen Hotel „Stadt Hamburg“ am Thälmann-Platz wurden bereits NPD-Anhänger bei Renovierungsarbeiten beobachtet. Vor Ort gilt es bereits als sicher, dass auch dieses Gebäude demnächst in die Hände der umtriebigen Clique um Pastörs gerät.

Taxi-Unternehmerin und Tischler beim NPD-Fest

Mit Sprüchen wie „Fahr nicht fort, kauf im Ort“ hatten sich Udo Pastörs und seine NPD-Mannschaft bereits vor rund zehn Jahren kommunal zu verankern gesucht. Schon mit der Sanierung des Backsteingebäudes mitten im Zentrum der Kleinstadt zum mittelständischen Geschäftshaus mit großen Schaufenstern, konnte der ehemalige Zeitsoldat und Edelsteinhändler Sympathien gewinnen. „Da haben mich die Leute nicht in Schlips und Kragen gesehen, sondern auf dem Gerüst, schwer arbeitend. Das ist ein Einstieg. Dann haben wir weitergearbeitet. Politisch“, zitieren ihn die Autoren des Wissenschaftswerkes „Rechtsextremismus in Ostdeutschland“.

Pastörs und seine Anhänger schleusten sich als Gründungsmitglieder in eine Bürgerinitiative gegen den Braunkohleabbau in der so genannten Griesen Gegend ein. Sie versuchen seither, die Kinder aus nationalen Familien gemeinsam in Sportvereinen und Kindergärten unterzubringen.

Der Neonazi Udo Pastörs, der von der NPD jüngst als „Kampfgemeinschaft“ redete, besucht immer wieder einen mittelständischen Handwerker-Stammtisch im „Deutschen Haus“. Bei manchen scheinen die NPD-Herren tatsächlich gern gesehen. So erschienen bereits vor Jahren die Taxi-Unternehmerin und der Tischler zum NPD-Fest auf dem Lindenplatz. Das vermögende Ehepaar Pastörs mit seiner Villa und dem weitläufigen Gelände außerhalb Lübtheens wird vor Ort immer mehr angenommen, die Hemmschwellen sinken.

Auf die „sanfte Tour“ an Akzeptanz gewinnen

Auch das Volkshaus unweit des Thälmann-Platzes gegenüber der Kirche wurde von einem Schlossbesitzer aus dem Umfeld von Pastörs gekauft. Der hält sich anscheinend zurück, seitdem die Medien über den Kauf berichteten. Doch über einen Pächter wird das Gebäude als Gastwirtschaft vor allem von Jugendlichen aus der Region besucht.  Den Neonazis gelingt es immer mehr, auf die „sanfte Tour“ an Akzeptanz zu gewinnen. So wird von einer Lehrerin, einer Sporttrainerin und einer Kindererzieherin berichtet, die Kontakt zu den NPD-Siedlern suchen.

Immerhin erzielte Marianne Pastörs bei den Landratswahlen am 4. September vergangenen Jahres aus dem Stand rund 6 Prozent der Stimmen, obwohl sie keinen direkten Wahlkampf geführt zu haben schien. Gemeinsam mit dem als gewaltbereit geltenden Andreas Theißen, sitzt die stellvertretende Chefin der regionalen Sektion der NPD-Unterorganisation „Ring Nationaler Frauen“ auch im Stadtrat. Dort allerdings sollen sich die beiden weniger durch inhaltliche Beiträge als durch populistische Inszenierungen bei Fragestunden, gemeinsam mit anderen NPD-Anhängern, oder Hetze gegen Pädophile im Internet hervortun. So amüsierte sich Theißen vor der eigenen Zuhörerschaft angeblich „lauthals“ über Versprecher der anderen Stadtvertreter oder er versuchte, die wenigen übrigen Zuschauer und ihre Fragen und Anmerkungen „bloßzustellen“. Auch Kritiker werden angegangen, ein Verfahren wegen einer beleidigenden Äußerung sei noch anhängig, berichten Stadtvertreter.

Werbung für „regionale Kaufhäuser“

Die NPD in Lübtheen gibt sich als „Anwältin des Mittelstandes. Mit „populären“ Themen versuchen die Neonazis, Zuspruch zu ernten, bestätigen die Wissenschaftler Hubertus Buchstein und Gudrun Heinrich in ihrer Studie „Rechtsextremismus in Ostdeutschland“.  Demnach wurde das Gewerbekonzept der Stadt angeprangert, unbeliebte Themen wie Hartz IV oder die inzwischen erfolgte Kreisgebietsreform abgelehnt. Geworben werde von der NPD für „regionale Kaufhäuser“, berichten die beiden Kenner der Szene, das Motto lautet: „Regional ist erste Wahl“. Die Neonazis arbeiten mit propagandistischen Mitteln, sie schrecken dabei wohl auch vor Falschbehauptungen nicht zurück. Hauptfeindin ist meistens die gegen Rechts sehr engagierte Bürgermeisterin Ute Lindenau. Auch kritische Stadtvertreter oder Bürger geraten immer wieder ins Visier der Braunen.

Bei der Themenliste der NPD lasse sich auf den ersten Blick nicht von „klassischen rechtsextremen Inhalten“ sprechen, resümieren Buchstein und Heinrich, sondern es seien eher „typische oppositionelle“. Mittlerweile erscheint auch mal nur noch einer der beiden NPD-Volksvertreter zu den Sitzungen. Frau Pastörs schweige meist und grinse, berichten Augenzeugen. Auch in den öffentlichen Ausschüssen werden die selbst ernannten „Kümmerer“ und ihre Gefolgsschar gesehen.

Bezüglich der neuen Häuserkäufe geben sich einige Lübtheener empört. Einer sagt: „Wenn das so weiter geht, dann können wir den Thälmann-Platz bald in Adolf Hitler-Platz umbenennen“.

 

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