Hooligan-Band KC feiert Jubiläum

Von Horst Freires
09.01.2017 -

Die Bremer Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ geht ins zwanzigste Jahr ihres Bestehens. Aus diesem Anlass will sie am 4. Februar ein Konzert im Raum Rastatt geben.

20 Jahre „Kategorie C“; (Screenshot)

In neonazistischen Musikkreisen wurde der Termin für das Konzert bereits im November beworben, inzwischen macht „Kategorie C – Hungrige Wölfe“  (KC) ihn selbst auf ihrer Homepage bekannt. Der genaue Konzertort für die Jubiläumsveranstaltung am 4. Februar wird nicht genannt – das übliche Prinzip des Bremer Quintetts. Die baden-württembergische Stadt Rastatt dürfte also eher eine grobe Orientierung für einen Schleusungspunkt sein, bei dem erst unmittelbar vor dem Konzert weitere Details bekannt gegeben werden. Durch die unmittelbare Nähe zur französischen Grenze ist auch ein Auftritt im Nachbarland denkbar.

Kopf von „Kategorie C“ ist Hannes Ostendorf. Über die Bremer Fußball-Hooligan-Szene hat sich der Sänger auch im rechtsextremen Milieu sozialisiert. Er ist der jüngere Bruder des besonders die NS-Zeit und die Wehrmacht glorifizierenden Versandbuchhändlers Henrik Ostendorf. Neben Gründungsmitglied Hannes Ostendorf ist Stefan „Ernie“ Behrens, der mal den Bass oder eine E-Gitarre bedient, seit Ende 2007 in der Besetzung am längsten dabei. Komplettiert wird die Band von den Brüdern Julian (Schlagzeug) und Florian „Flo“ Keil (Bass) sowie Marcel Achstätter (Gitarre), die alle aus der hessischen Band „Hausverbot“, die 2009 aus der Taufe gehoben wurde, dem Ruf von Hannes Ostendorf nach Bremen folgten. Zuvor traten die Musiker aus dem Odenwald öfter als Support bei KC-Konzerten auf. Mit dem Wechsel zu KC wurde es für kurze Zeit ruhig um „Hausverbot“, jetzt sind beide Bands wieder häufiger als Doppelpack zusammen unterwegs. Für den anstehenden Auftritt am 4. Februar sind auch beide Bands angekündigt.

Tonträger von „Nahkampf“ auf dem Index

2011 und im Folgejahr war KC mit dem Tarnnamen „H.E.R.M“ auf Konzerttour, wobei hauptsächlich Balladen gespielt wurden. Eine weitere Band, die im Zusammenhang mit Hannes Ostendorf Erwähnung finden sollte, ist „Nahkampf“. Gerade erst wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien der gemeinsame Tonträger von „Nahkampf“ und der nicht mehr existierenden Gruppe „Volkszorn“ auf den Index gesetzt. Sechs der 14 Titel auf der Split-CD des Vorjahres hatte „Nahkampf“ bereits mit einer Split-Veröffentlichung 2002 (mit „Kolovrat“ aus Russland – der Bandname übersetzt: Hakenkreuz) in Umlauf gebracht. Waren „Kategorie C“ für Hannes Ostendorf nach eigenen Beteuerungen stets ein unpolitischer Beitrag, der hauptsächlich nur prollige Fußballanhänger bedienen sollte, stellte „Nahkampf“ eindeutig rechtsextreme Inhalte in den Vordergrund.

Über Jahre finden sich Fußballsongs mit nationalistisch ausgerichteten und Gewaltbereitschaft herauszuhörenden Texten im Repertoire von KC. 1999 bereits tauchte KC ebenso wie „Nahkampf“ auf einem Sampler mit dem Titel „Die Deutschen kommen – Vol. II“ auf. Auf dem Tonträger waren zudem Songs neben anderen der Rechtsrock-Bands „Landser“, „Stahlgewitter“, „Hauptkampflinie“, „Freikorps“ und „Kraftschlag“ zu hören. Bereits ein Jahr zuvor wurden bei der Erstauflage mit gleichem Titel auch zwei „Nahkampf“-Stücke verbreitet. Im Frühjahr 2001 spielte KC beim 20-jährigen Bestehen der neonazistischen Dortmunder Hooligan-Gruppierung „Borussenfront“ um die Führungsfigur Siegfried Borchardt (szenebekannt als „SS-Siggi“). Im Oktober 2006 trat Hannes Ostendorf bei einer von der NPD angemeldeten Solidaritätskundgebung für den seinerzeit inhaftierten früheren „Landser“-Sänger Michael Regener in Berlin auf. 

Unter dem Banner von „Blood&Honour“

Seit 2010 wird „Kategorie C“ im Bremer Verfassungsschutzbericht erwähnt. In Frankreich sowie Slowenien betrat die Band 2014 die Bühne offen unter dem Banner der in Deutschland seit dem Jahr 2000 verbotenen „Blood&Honour“-Bewegung. Am 26. Oktober 2014 folgte ein kurzes Gastspiel von KC bei der gewalttätigen HoGeSa-Demonstration in Köln, auf der Ostendorf & Co. die unmittelbar zuvor auf einer Internet-Plattform verbreitete Eigenkomposition „Hooligans gegen Salafisten“ vortrugen und geschäftstüchtig ihre Merchandising-Artikel rund um diese Losung herum verkauften. Anfang 2016 durfte Hannes Ostendorf beim deutlich rechtslastigen Leipziger  Pegida-Ableger „Legida“ zum Mikrofon greifen. Zuletzt waren sowohl „Kategorie C“ wie auch Nahkampf bei angemeldeten politischen Veranstaltungen des Neonazis Tommy Frenck unter dem Label der Wählervereinigung „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ im thüringischen Kloster Veßra zu erleben. Angekündigt ist KC auch wieder am Montagabend bei „Legida“ in Leipzig.

In verschiedenen Regionen Deutschlands pflegt „Kategorie C“ Kontakte und Freundschaften. Vertrauensvolle Fans werden dort beauftragt, vor Ort klandestin Konzerte vorzubereiten, oft unter einem Vorwand. Die „Vorbereiter“ gehören zur KC-Crew. Diese Vorgehensweise hat Hannes Ostendorf sich bei der Bremer Rechtsrock-Combo „Endstufe“ abgeschaut. Rastatt dürfte dabei in den Aufgabenbereich von Karlsruher KC-Verbindungsleuten fallen.

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