Razzia bei NPD-Barden

Von Johannes Hartl
15.03.2016 -

Der Wohnsitz des Neonazi-Liedermachers Frank Rennicke im oberfränkischen Feilitzsch wurde am Wochenende zum Objekt einer Durchsuchungsaktion der bayerischen Behörden.

Der Liedermacher Rennicke spielt häufig bei NPD-Veranstaltungen auf (Screenshot)

Zwei Rechtsextremisten aus Niederbayern und Oberfranken erhielten am vergangenen Samstag Besuch von Sondereinsatzkräften der bayerischen Polizei. Die Beamten waren nach Vorermittlungen des Fachkommissariats Staatschutz der Kriminalpolizei Hof auf der Suche nach Waffen bei den beiden Personen. Dazu erwirkte die Staatsanwaltschaft Hof entsprechende Beschlüsse und ließ die Anwesen im Landkreis Deggendorf und Hof in den frühen Morgenstunden durchsuchen. Mit Unterstützung der bayerischen Bereitschaftspolizei wurden dann die Immobilien auf entsprechende Utensilien hin überprüft. Laut Angaben des zuständigen Polizeipräsidiums in Oberfranken wurden dabei „mehrere Verstöße nach dem Waffengesetz“ festgestellt. In welchem der durchsuchten Objekte waffenrechtliche Verstöße registriert wurden, geht aus der Meldung der Behörden indes nicht hervor.

Im Mittelpunkt der Razzia standen ein 51 und ein 57 Jahre alter Mann. Bei dem 51-Jährigen handelt es sich um den bekannten braunen Barden Frank Rennicke. Der teilte dies auf seiner Facebook-Seite selbst mit. Der umtriebige Rechtsextremist hält sich seit mehreren Jahren in einer ehemaligen Schule in Ortsteil Unterhartmannsreuth in der oberfränkischen Gemeinde Feilitzsch auf. Dort hatte Miriam H., die damalige Partnerin des Sängers, im August 2012 das Gebäude erworben. (bnr.de berichtete) Seitdem sind die beiden —inzwischen als Ehepaar — regelmäßig in der Immobilie präsent und haben deren Gelände mehrfach für politische Veranstaltungen genutzt. Gegen wen sich die zweite Durchsuchung in Niederbayern richtet, ist noch unbekannt.

Auch zu den Vorwürfen, die gegen die Personen erhoben werden, gibt es keine konkreteren Informationen. Auf Anfrage von bnr.de verwies sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft auf das laufende Verfahren. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, Jürgen Stadter, wollte zudem weder bestätigen noch dementieren, dass Rennickes Anwesen durchsucht wurde. Rennicke selbst wies die Vorwürfe zurück. In einer am Sonntag veröffentlichen Stellungnahme auf seiner Website erklärte er, bei der Waffe habe es sich um eine Spielzeugpistole gehandelt. Diese sei seinem Sohn geschenkt worden, als sich ein Freund bei einem Besuch in der Immobilie aufhielt. Demzufolge hätte die Polizei, als sie die Durchsuchung beendete, „natürlich nichts“ gefunden.

Der Leiter der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad, Martin Becher, sieht hingegen einen „schönen Nebeneffekt“ in der Razzia. Er hofft, dass den Anwohnern vor dem Hintergrund des massiven polizeilichen Vorgehens klar werde, dass es sich bei Rennicke um „keinen harmlosen Nachbarn“ handelt. Der Rechtsextremist, der zuletzt zweimal für die NPD als Bundespräsidentschaftskandidat angetreten ist, verfüge seinen Aussagen zufolge vielmehr über Kontakte zu gewaltbereiten Figuren der Neonazi-Szene. So fand auf Rennickes Grundstücke etwa ein Treffen mit Tony Gentsch statt, einer Führungsfigur der Neonazi-Partei „Der III. Weg“. Der Kader gilt als führender Aktivist der militanten Szene in Oberfranken und wurde vor einigen Jahren unter anderem wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt.

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