Öko-völkisch verpackt

Von Horst Freires
21.02.2012 -

Familien aus der braunen Szene siedeln sich gezielt in manchen Gegenden Mecklenburg-Vorpommerns an – das Blut-und-Boden-Denken hat Konjunktur.

In Mecklenburg-Vorpommern lässt es sich gerade gut beobachten, dass ökologisches Bewusstsein und neonazistisches Gedankengut sich nicht ausschließen – im Gegenteil! Mit völkisch-traditioneller Herleitung kommt es zu einer Symbiose.

Dargestellt wird dies in einem aktuell erschienenen Band der Heinrich-Böll-Stiftung unter dem Titel „Braune Ökologen“ im Rahmen der Publikationsreihe Demokratie. Auf etwas mehr als 100 Seiten zeigen Autoren wie Hubertus Buchstein, Andreas Speit und Toralf Staud, warum die Bereiche Gentechnik, Atomenergie, biologische Landwirtschaft, Tierhaltung und Umweltschutz kein Randthema mehr in der rechten Szene darstellen. Das Blut-und-Boden-Denken hat vielmehr Konjunktur und kommt lediglich in einem moderneren Gewand daher, auch wenn Aktivisten sich auf historische Wurzeln und Quellen berufen.

In mehreren Kapiteln werden Strukturen und Beispiele dieses Handlungsfeldes erläutert und benannt. Längst versuchen Neonazis, in ein politisches Gebiet vorzudringen, auf dem vorrangig eher eine grün orientierte Einstellung vermutet wird. Das krude rechtsextreme Weltbild hält jedoch auch hier eine Kompatibilität bereit.

Kommunale Graswurzelstrategie der NPD

Anschaulich wird geschildert, dass mit einer gezielten Siedlungsbewegung in Zeiten einer abwandernden Bevölkerung hoheitliche Hegemoniebestrebungen verbunden sind und kleine rechtsorientierte Netzwerke geschaffen werden. Die im Schweriner Landtag sitzende NPD und ihre kommunale Graswurzelstrategie spielen dabei mehr als nur eine nebensächliche Rolle. Wenn beispielsweise die Vokabel „artgerecht“ in diesem Zusammenhang fällt, sind Vorsicht und Missbrauch inzwischen durchaus angebracht.

Aufklärung über die besonders in der Weimarer Republik aktive Artamanen-Bewegung sowie das Sezieren der rechtsgerichteten Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ sind nur zwei Aspekte der Analyse. Über das vermeintlich harmlose Auftreten völkisch-brauner Ökologen warnt beispielsweise der Kirchgemeinderat Richard Scherer: „Die Vorgehensweise ist eher verdeckt, nicht offen. Sie sprechen die Leute nicht auf dem Marktplatz an. Sie engagieren sich bei Festen, die Frauen treten mit ihrem Chor auf, oder es ist das Kaffeetrinken beim Nachbarn.“

An die Problembeschreibung, Einordnung und Bewertung schließt sich ein Abschnitt mit zivilgesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten an, mit denen man nach Enttarnung der antidemokratischen Bestrebungen eben diesen Einhalt gebieten kann.

Mitherausgeber sind die Evangelische Akademie und die Universität Rostock. Mitgewirkt hat das Regionalzentrum für Demokratische Kultur.

Heinrich Böll-Stiftung (Bd 26), Braune Ökologen – Hintergründe und Strukturen am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns, Berlin 2012, 112 Seiten; ISBN 978-3-86928-062-2.

Die Broschüre zum downloaden

 

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